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Imperium von Milliardär Arnault fast vollständig in Brüssel

Der französische Milliardär, Bernard Arnault, der in dieser Woche bekannt gab, dass er 200 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Pariser Kathedrale Notre-Dame spendet, hat bereits 81 Prozent der Anteile seiner Arnault-Gruppe an belgische Unternehmen übertragen. Dies geht aus dem letzten Jahresabschluss hervor, schreibt die Zeitung De Tijd an diesem Samstag. Die Arnault-Gruppe ist der größte Anteilseigner des Luxusgüter-Konzerns LVMH mit Marken wie Louis Vuitton und Dior.

Arnault, der reichste Mann Europas, verfügt bereits über mehr als 22,3 Milliarden Euro an Unternehmensvermögen in Belgien. Das ist auf 15 belgische Unternehmen verteilt. Es handelt sich dabei um rein steuerliche und finanzielle Konstruktionen, die dieselbe Adresse in der Avenue Louise in Brüssel haben. Arnaults Brüsseler Unternehmen haben Belgien in den letzten drei Geschäftsjahren zusammen 44,69 Millionen Euro an Steuern eingebracht.

Die belgische Staatskasse verdient also jährlich rund 15 Millionen Euro an Steuern aus den belgischen Konstruktionen von Arnault. Dies ist ein Durchschnitt auf der Grundlage der von den belgischen Gesellschaften in den letzten drei Geschäftsjahren vorgelegten Jahresabschlüsse. Hierbei geht es allerdings allein um Arnaults Steuer- und Finanzstrukturen und nicht beispielsweise um die Louis Vuitton-Geschäfte in Belgien.

Die Gründe, warum Arnault gerne in Belgien verweilt, sind zahlreich. Da sind zunächst die Steuervorteile, wie der fiktive Zinsabzug (Abzug für Risikokapital) und die Befreiung vom Veräußerungsgewinn auf Aktien. Aber auch die interessanten Unternehmensstrukturen hierzulande, wie die belgische "Privatstiftung", mit der Arnault seine Nachfolge geregelt hat, spielen eine Rolle. Das sind die bekannten Trümpfe, mit denen Belgien ausländisches Kapital anzieht. Belgien unternimmt hierfür zusätzliche Anstrengungen mit dem neuen Gesellschaftsrecht, das am 1. Mai in Kraft tritt.

Die großzügige Spende von 200 Mio. Euro für die Kathedrale von Notre-Dame wurde unter anderem deshalb kritisiert, weil sie mit Steuererleichterungen in Verbindungen gebracht zu sein schien. In Frankreich sind solche Spenden von Gönnern zu 60% oder sogar mehr steuerlich absetzbar, so dass der französische Steuerzahler sie bezahlt, weiß De Tijd.

Arnault fand die Kritik an seiner Wohltat "überraschend". Der reichste Mann Europas mit einem geschätzten Kapital von 77 Milliarden Euro kündigte am Donnerstag an, dass es keine Steuerabzüge geben werde. Ein Teil des Geldes komme von seiner Luxusgruppe LVMH. Die kann den Steuervorteil nicht mehr ausspielen, weil der Konzern durch die Louis Vuitton-Stiftung bereits die Obergrenze erreicht hat. Der andere Teil des Geldes stamme aus seinem Familienunternehmen Groupe Arnault, das nur Aktien verwaltet und nicht steuerbegünstigt ist.

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