Keine Basis in Belgiens Bevölkerung für die Rente ab 67 Jahre

Aus dem aktuellen Politbarometer von VRT NWS, RTBF, De Standaard und La Libre ist ersichtlich, dass die Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre hierzulande keine Akzeptanz bei der Bevölkerung findet. In allen Landesteilen Belgiens fordern die Menschen, dass das gesetzliche Rentenalter wieder auf 65 Jahre herabgesetzt werden muss. Der Politbarometer fragte die Bürger und Wähler auch nach ihren Ansichten zur Wahlpflicht, die in unserem Land gilt.

Sowohl in Flandern, als auch in der Wallonie und in der Region Brüssel-Hauptstadt findet sich keine Basis für das von der belgischen Bundesregierung auf 67 Jahre angehobene gesetzliche Mindestalter für die Rente. Der aktuelle Politbarometer der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten VRT (unser Haus) und RTBF, sowie der Tageszeitungen De Standaard und La Libre, ergab, dass 75 % der Befragten eine Senkung des Mindestalters für die Rente auf 65 fordern. In der Brüsseler Region sind dies 71 % und in Wallonien sogar 81 % der Befragten.

Die scheidende Regierung Michel beschloss 2015, dass das Mindestalter für die Rente bis 2030 stufenweise auf 67 Jahre angehoben wird. Schon damals war das Vorhaben bei rund drei Vierteln der Belgier umstritten, doch Rentenminister Daniël Bacqueleine (MR) gab damals an, dieser Schritt sei dringend notwendig, um das Pensionssystem in Belgien langfristig finanzierbar zu gestalten. 

Wenn es keine Wahlpflicht geben würde, dann würde ich am 26 Mai nicht wählen gehen.“

Knapp einen Monat vor den Parlaments-, Regional- und Europawahlen befragte das von VRT, RTBF, De Standaard und La Libre beauftragte Umfrageinstitut TNS KANTAR auch nach den Befindlichkeiten der Bürger und Wähler in der Frage der in Belgien geltenden Wahlpflicht.

Auf die Frage „Wenn es keine Wahlpflicht geben würde, dann würde ich am 26. Mai nicht wählen gehen“ reagierten 59 % der Angesprochenen im belgischen Bundesland Flandern, dass sie sehr wohl wählen gehen würden, Wahlpflicht oder nicht. 36 % der Befragten hingegen, also mehr als ein Drittel von ihnen, gaben an, in einem solchen Fall darauf zu verzichten, wählen zu gehen. 2 % der Befragten hatten dazu keine eindeutige Meinung. 

Koloniale Vergangenheit und der Klimawandel“

TNS KANTAR hatte noch zwei weitere Themen und Fragen in petto, nämlich die Haltung der Bürger in Belgien zu Entschuldigungen für die brutale Kolonialzeit und zum Thema Klimawandel. Eine Expertengruppe der Vereinten Nationen hatten unserem Land kürzlich empfohlen, man solle sich für die Grausamkeiten, die während der Kolonialzeit in Afrika begangen wurden, bei den betreffenden Ländern entschuldigen. Nur 51 % der Befragten in Flandern stimmten dem zu, während 32 % eine solche Entschuldigung ablehnten.

Auf die Frage, ob man angesichts des Klimawandels auf Kurzstrecken-Flüge verzichten solle, antworteten 40 % der befragten Flamen mit „ja“, doch 47 % sehen dies nicht so.