MR und Premier Michel größte Verlierer in Wallonien und Brüssel

Die liberale frankophone Reformpartei MR von Premierminister Charles Michel (Foto) würden laut dem aktuellen Politbarometer von VRT, RTBF, De Standaard und La Libre eine schwere Schlappe erleiden, wenn heute gewählt würde. Angesichts der in knapp einem Monat stattfindenden Parlaments-, Regional- und Europawahlen muss das Umfrageergebnis bei den frankophonen Liberalen für Kopfschmerzen sorgen. Brüssel hingegen wird grüner denn je.

Die liberale MR muss sich laut aktuellem Politbarometer gegenüber den Wahlen von 2014 mit dem dritten Platz zufrieden geben. Die Partei von Noch-Premier Michel verliert 7,5 % und käme jetzt auf 18,3 %. Die MR verliert viele Stimmen an die frankophonen Grünen Ecolo. Michel selbst verliert zudem auch persönlich in der Gunst der Wähler. Die größte Partei in der Wallonie bleibt allerdings die sozialistische PS, doch auch diese Partei muss Federn lassen. Sie verliert 7,3 % und steht jetzt bei 24,7 %. Die PS lässt ebenfalls viele Wähler in Richtung Ecolo ziehen, verliert aber auch Stimmen an die linksradikale PTB.  

Ecolo wird mit einem Plus von 13,8 % die zweitstärkste Kraft in Wallonien und käme jetzt auf 22 %. Die kommunistische PTB gewinnt 9,3 % hinzu und wäre mit 14,8 % die vierte Partei. Die Arbeiterpartei lässt sogar die Zentrumspartei CDH hinter sich, die mit einem Minus von 4,7 % nur noch 9,3 % der Wähler für sich begeistern kann. Weit abgeschlagen dahinter finden sich die linksliberale DéFI mit 3,9 % (+1,5 %), die rechtspopulistische PP mit 3,5 % (-1 %) und die rechtspopulistischen MR-Dissidenten „Liste Destexhe“, die bei ihrem ersten Wahlantritt bisher nur 1,1 % der Wähler überzeugen kann.

(Lesen Sie bitte unter der Wallonie-Grafik weiter)

Und in Brüssel?

Auch für Brüssel hat der aktuelle Politbarometer für die MR nichts Gutes in petto. Mit Noch-Außenminister Didier Reynders als Spitzenkandidat verliert die Reformpartei 7,6 % gegenüber 2014 und hätte heute nur noch 15,5 %. Die frankophonen Sozialisten der PS würden in Brüssel mit 19 % die zweitstärkste Partei werden. Verluste von 6 % sind wohl noch auf die zahlreichen Skandale der jüngeren Vergangenheit zurückzuführen, doch aus ihrem Umfragetief kommen die Sozialisten in der Hauptstadt langsam wieder heraus.

Stärkste Partei in Brüssel wäre heute, wenn jetzt gewählt würde, Ecolo, die frankophonen Grünen. Sie kämen auf 21,5 % und würden gegenüber 2014 um 11 % zulegen. Auf Rang vier käme in der Hauptstadt heute die kommunistische Gemeinschaftsliste PTB/PVDA mit 11,9 %, ein Plus von 8,1 %. Alle anderen Parteien in Brüssel können lediglich einstellige Prozentzahlen aufweisen. Die flämischen Nationaldemokraten N-VA wären hier mit 4,2 % (+ 1,5 %) die stärkste niederländisch-sprachige Partei (siehe Grafik für Brüssel unten).

Den Politbarometer führte das Umfrageinstitut TNS KANTAR im Auftrag der öffentlichen Rundfunkanstalten VRT und RTBF, sowie der Tageszeitungen De Standaard und La Libre telefonisch beu 1.006 niederländisch-sprachigen Flamen zwischen dem 25. März und dem 14. April durch. Die Fehlerquote liegt hier bei 3,1 %.