Archäologische Entdeckungen: Rittergrab und eine mittelalterliche Landstraße 

Gleich zwei einmalige archäologische Entdeckungen sorgten in Flandern für Schlagzeilen. In Asper bei Gavere in Ostflandern stießen Mitarbeiter des Tourismusamtes per Zufall auf eine spätmittelalterliche Landstraße (Foto oben) und in Stene bei Ostende in Westflandern entdeckten Heizungsbauer in einer Kirche das Grab eines Ritters (Foto unten).

Am kommenden Sonntag ist in Flandern „Tag des Kulturerbes“ und aus diesem Grunde wollten die ehrenamtlichen Mitarbeiter des touristischen Dienstes von Gavere in Ostflandern eine Wanderung auf historischen Pfaden organisieren. Zunächst suchten sie nach alten Wegekarten, um sich danach auf den Weg zu machen.

Dabei stießen sie in der Nähe der Ortschaft Asper unweit von Gavere auf einen Weg aus historischem Kopfsteinpflaster. Dieser Weg war in historischen Dokumenten erwähnt und ist eine im Jahr 1669 errichtete Landstraße.

Laut historischen Karten aus den Jahren 1669 und 1778 führte diese Straße von Gavere über Zingem nach Asper, wo sie am Scheldeufer endet. Ein Teil des ursprünglichen Straßenverlaufs existiert noch heute als Wanderweg. Beim Verlassen dieses Weges in den Wald stießen die Hobby-Archäologen auf die gewölbte grob gepflasterte alte Straße. Um sich ein genaueres Bild zu machen, nahmen sie Spaten und Schaufel zu Hilfe und fanden weiteres Kopfsteinpflaster unter einer dicken Erd- und Pflanzendecke.

Offenbar war diese spätmittelalterliche Straße erhöht und abgerundet angelegt worden, weil es hier zu dieser Zeit oft Überschwemmungen von der Schelde her gab. Jahrhunderte lang war dieser Weg wohl die einzige Verbindung zwischen den oben genannten Dörfern und Weilern, doch bei der Uferbegradigung der Schelde wurden neue Straßen gebaut und der alte Weg geriet in Vergessenheit. 

Ritter Metteneye“ und die Heizungsbauer der Sint-Anna-Kirche

In der Sint-Anna-Kirche von Stene bei Ostende sollte eine neue Heizung eingebaut werden und deshalb wurde dort der Boden aufgebrochen. Darunter jedoch entdeckten die Heizungsbauer zwei Gräber und riefen die Kirchenfabrik herbei, die wiederum Fachleute heranzog, z.B. einen Architekten und Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Ostende.

In einem Grab befindet sich eine männliche Leiche, die sich anhand von Beschriftungen auf dem Grabstein als die sterblichen Überreste des bisher völlig unbekannten „Ritters Metteneye“ herausstellte. Im zweiten Grab vermuten die Historiker die Gattin des Ritters und eventuell auch die Leichen der beiden Kinder des Paars.

Architekt Philip Pauwels, der die Bauarbeiten in der Kirche leitet, freut sich über die Entdeckung, auch wenn aus der Heizung in der geplanten Form wohl nichts wird. Gegenüber Radio 2 Westflandern sagte er: „Das ist eine äußerst wichtige Entdeckung. Diese wird uns über die Geschichte von Stene und Ostende noch viel zu erzählen haben. Bisher war darüber nur wenig bekannt.“

Inzwischen haben sich die Stadt Ostende und die Kirchenfabrik von Stene darauf geeinigt, die beiden Gräber nicht in ein Museum verfrachten zu lassen, sondern es der Öffentlichkeit in der Sint-Anna-Kirche zugänglich zu machen. Dazu sollen die Grabsteine mit einer Plexiglasplatte überdeckt und beleuchtet werden. Davon sollen sowohl die Bewohner der Region profitieren, als auch Touristen, denn die Kirche liegt an einem bekannten Wanderweg. 

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