Belgiens Verkehrsteilnehmer werden zunehmend aggressiver

Fluchen und brüllen, hupen und rasen und mitunter aus dem Auto aussteigen, „um zu sagen, was zu sagen ist“, sind nur einige Punkte, bei denen sich feststellen lässt, dass die Verkehrsteilnehmer auch in Belgien immer aggressiver auftreten. Eine europaweit durchgeführte Studie aus Frankreich, die jetzt vom belgischen Institut für Verkehrssicherheit (VIAS) vorgestellt wurde, zeichnet kein schönes Bild.

Laut den Ergebnissen der Studie zum Verkehrsverhalten der Europäer geben 63 % der belgischen Autofahrer zu, im Straßenverkehr regelmäßig zu hupen, wenn es nicht so läuft, wie erwartet. Vergangenes Jahr lag dieser „Wert“ noch rund 10 % niedriger. Nur die Spanier hupen häufiger als die Belgier.

Zudem fluchen fast sechs von 10 belgischen Autofahrern während der Fahrt. Hier folgen die Belgier den Griechen und den Italienern in der Statistik. Doch steigert sich in unserem Land die Aggressivität hinter dem Steuer.

Belgiens Autofahrer haben auch vermehrt die Neigung, auszusteigen, um anderen Verkehrsteilnehmern „die Meinung zu geigen“. 10 % der hiesigen Automobilisten haben so etwas schon einmal gemacht. In den Niederlanden passiert das noch öfter, doch hier sind die Polen Spitzenreiter mit 36 % „Aussteigern“.

Stef Willems vom VIAS führt dies auf die Bevölkerungsdichte Belgiens zurück: „Das hat zu einem nicht unerheblichen Teil auch mit der hiesigen Raumordnung zu tun. Wir leben dichter nebeneinander und haben wenig Raum zur Verfügung.“

Mehr Fahrzeuge, andere Voraussetzungen“

Zur Steigerung der Verkehrsaggressivität in Belgien trägt auch die hohe und schnell steigende Zahl an neuen Verkehrsmitteln (Fahrräder, E-Bikes, Stepper aller Art, Scooter…) und auch die wachsende Zahl an Autos und Lastwagen auf unseren Straßen, wie VIAS-Mitarbeiter Willems andeutet: „Dadurch kommt es zu mehr Interaktionen zwischen einzelnen Verkehrsteilnehmern.“

Auch moderne Entwicklungen führen zu Aggressivität und zu mehr Unfällen in Belgien. 21 % aller Autofahrer greifen während der Fahrt zu Handy oder Smartphone und verlieren dadurch die Konzentration. Jeder 10. Belgische Autofahrer gibt zu, dadurch schon einmal fast einen Unfall gebaut zu haben. Das ist eine glatte Verdopplung des entsprechenden Vorjahreswertes.

Und doch haben die belgischen Verkehrsteilnehmer innerhalb der EU einen recht guten Ruf. 18 % der Europäer finden, dass die hiesigen Autofahrer höflich und ruhig sind…