Mord im Asylzentrum: Fünf Verdächtige in Untersuchungshaft

Nach dem mutmaßlichen Mord an einem 9 Jahre alten palästinensischen Flüchtlingsjungen im Asylbewerberwohnheim von Broechem (Prov. Antwerpen) nahm die Staatsanwaltschaft alle fünf Verdächtigen nach Verhören in Untersuchungshaft. Vermutlich handelt es sich bei dem Fall um eine missglückte Kindesentführung. Auch von einer Abrechnung im kriminellen Bereich oder von Menschenschmugglern ist die Rede in einigen Medien.

Sicher ist, dass die Familie des kleinen Jungen eine SMS erhalten hat, in der 100.000 € Lösegeld gefordert wurden, damit sie das Kind wiedersehen könne. Rund 30 Stunden nach dieser SMS fand die Polizei die Leiche des 9-jährigen Jungen in einem Graben auf dem Gelände der Asyleinrichtung.

Rasch gerieten fünf Männer, ebenfalls Palästinenser, in Verdacht. Zwei von ihnen leben selbst in dem Wohnheim und drei weitere außerhalb. Bereits am Donnerstag wurden vier Verdächtige in U-Haft genommen, doch am Abend verhörte die Polizei noch einen 34 Jahre alten Mann. Berichten verschiedener flämischer Medien zufolge wurde dieser Mann ebenfalls in U-Haft genommen.

Inzwischen hagelt es Vorwürfe in alle Richtungen. Die Familie des ermordeten Jungen wirft der Polizei vor, zu spät gehandelt zu haben. Doch die Ermittler wussten zunächst nicht, dass es sich bei dem Vorgang um eine Entführung handeln könnte. Ein Onkel des Jungen fordert zudem die Schließung des Zentrums.

Umstrittene Einrichtung?

Im Asylbewerber- und Flüchtlingswohnheim von Broechem bei Ranst in der Provinz Antwerpen leben zur Zeit 337 Personen aus verschiedenen Ländern und Kulturen. Nicht wenige sind alleine nach Belgien gekommene Flüchtlinge, doch dort wohnen auch viele Familien.

Die christliche Gewerkschaft ACV wirft der belgischen Asylbehörde Fedasil vor, das Zentrum von Ranst mit zu wenig Personal zu betreiben. Doch dies wiederlegt die Asylbehörde. Zudem wirft eine Sprecherin von Fedasil der Gewerkschaft vor, den tragischen Tod des kleinen Palästinensers für ihre Zwecke zu nutzen.

VRT-Kollege Majd Khalifeh, ein ehemaliger palästinensischer Flüchtling, der mittlerweile die belgische Staatsangehörigkeit hat und in unserer Nachrichtenredaktion in der Auslandsabteilung tätig ist, hat in seinem Buch „Herboren“ über seine eigene Geschichte das Zentrum in Broechem in Zusammenhang mit der dortigen Infrastruktur vor einigen Jahren das „Guantanamo unter den belgischen Asylzentren“ genannt…