Wenn das Pedelec zum Speed-Pedelec wird

Wenn Sie ein Pedelec haben und schneller als die erlaubten 25 Stundenkilometer fahren wollen, ist es in Belgien ganz einfach, einen Händler zu finden, der das Fahrrad frisiert, so dass es bis zu 45 Stundenkilometer erreichen kann. Diese Praxis ist verboten. Doch eine Studie der VRT hat gezeigt, dass die Praxis weit verbreitet ist. Die Pedelecs fahren dann so schnell wie Speed-Pedelecs, sind aber viel billiger.  

Ein Standard-E-Bike mit einem Motor hilft Ihnen, bis zu 25 Stundenkilometer zu fahren. Einige Leute wollen jedoch etwas schneller sein. Das Problem: Der Motor stockt und man muss dann plötzlich ein sehr schweres Fahrrad von 25 Kilo fortbewegen.

Die Lösung: Ein schnelles Elektrorad kaufen, ein so genanntes Speed Pedelec. Doch die sind teuer. Außerdem gelten sie als Moped und der Fahrer eines solchen Speed Pedelec muss bestimmte Regeln einhalten. Der Fahrer braucht hierfür zum Beispiel ein Nummernschild, einen Mopedführerschein und er darf nicht mehr auf allen Radwegen fahren.

Ein Standard-Pedelec aufpeppen, ist ganz einfach. Mit versteckter Kamera hat ein Journalist unseres Hauses Fahrradhändler aufgesucht und jeweils um eine illegale Aufstockung der Geschwindigkeit gebeten. Vier von sechs Radhändlern bissen an. Einige haben sogar spontan und von sich aus das Frisieren des Rads angeboten.

"Es wird ein anderer elektronischer Chip eingebaut. Dann fahren auch diese Elektro-Räder 45 Stundenkilometer", schlug ein Händler vor. Die Praxis mit dem Chip wird offenbar öfter angewandt.

„Darf ich damit fahren?“, will der VRT-Journalist, der sich als Kunde ausgab, wissen. Der Händler antwortete: „Im Prinzip nicht. Ich verkaufe jedoch ein offizielles Rad gegenüber 10 mit Chips.“

Nach Abgabe des E-Bikes beim Händler, kann der Kunde das frisierte Rad nach wenigen Tagen wieder abholen. Äußerlich ist am Rad keinerlei illegaler Eingriff zu erkennen. „Jetzt kann das Rad bis zu 45 Stundenkilometer bzw. 43 Stundenkilometer fahren“, so der Händler nach dem "Eingriff".

Unsichtbar, aber illegal also. Auch die Bezahlung dieses Gefallens findet hinter verschlossenen Türen statt. „Ich werde Ihnen keine Rechnung ausstellen. Und ich weiß auch von nichts“, so der Händler weiter. Bezahlt wurde deshalb in bar, dann durfte der Kunde das Rad wieder mitnehmen. Und das Rad fuhr sich danach ganz anders, viel schneller – manchmal bis zu 45 Stundenkilometer und das sogar bergauf.

Polizei fordert Gesetzesänderung

Das Fahren mit einem frisierten Pedelec auf öffentlichen Straßen ist gefährlich und verboten. Das wird auch vom belgischen Verkehrsinstitut Vias betont. Nach Angaben der Polizei sei es jedoch sehr schwierig, die Straftat nachzuweisen. Die Polizei fordert daher eine Gesetzesänderung.

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