Rekordzahl unbegleiteter Minderjähriger in Belgien verschwunden

Im vergangenen Jahr hat die Regierung 700 Verschwinden von unbegleiteten Minderjährigen in Belgien festgestellt. Das ist die höchste Zahl überhaupt. Die minderjährigen Migranten kommen in Belgien an, verlassen dann aber eines der Asylzentren, oft mit dem Ziel, ins Vereinigte Königreich weiterzureisen, um dort Asyl zu beantragen.

Laut dem Kindersuchwerk Child Focus sei es sehr wichtig, dass die Minderjährigen gefunden würden, da sie sich häufig in gefährliche Situationen begäben. Heidi De Pauw von Child Focus betonte in der VRT an diesem Dienstag: „Diese Jugendlichen sind sehr verletzlich. Sie könnten einerseits in die Hände von Menschen fallen, die Schlechtes mit ihnen vorhaben, andererseits könnten sie selbst ein hohes Risiko eingehen, um zu ihrem Wunschziel zu kommen oder zu einem Ort, wo ihre Familie oder jemand anderes auf sie wartet.“

Tatsächlich muss jedes Verschwinden der Polizei gemeldet werden, aber das geschieht nicht immer, wie eine Untersuchung der Zeitschrift Knack zeigt. Die Behörden denken zum Beispiel voneinander, dass der jeweils andere das Verschwinden bereits gemeldet habe. Die Zusammenarbeit müsse daher verbessert werden, so Heidi De Pauw von Child Focus weiter. "Es ist sehr wichtig, dass, wenn jemand mit dem Verschwinden eines unbegleiteten Minderjährigen konfrontiert wird, dies der Polizei gemeldet wird. Und dass alle beteiligten Dienste, die Staatsanwaltschaft, die Polizei, die Einwanderungsbehörde und die Vormundschaftsbehörde, zusammenarbeiten und Informationen austauschen, so dass dies möglicherweise zu einer Lösung des Falls der verschwundenen Person führen kann."

Unter den verschwundenen Minderjährigen sind vor allem Jungen

Die minderjährigen Ausländer, die verschwinden, sind in der Regel Jungen, zeigt die Statistik von Child Focus. Dies ist in 4 von 5 Fällen der Fall. Ein Drittel von ihnen kommt aus Afghanistan. Auf der Liste folgen die Herkunftsländer Marokko (13 Prozent), Eritrea (6 Prozent) und Syrien (5 Prozent). Insgesamt haben die Minderjährigen 34 verschiedene Nationalitäten.

Taskforce, ein Flop

Noch vor zwei Jahren wurde in Belgien eine Task Force zur Ermittlung von Verschwundenen eingerichtet. Sie wurde nach dem Verschwinden des 9-jährigen Brahim Bakali errichtet. Die letzte Spur des Jungen führte in die Einwanderungsbehörde in Brüssel. Er war dorthin gebracht worden, um sich registrieren zu lassen, so dass eine Unterkunft für ihn hätte gefunden werden können. Doch der Junge verschwand während der Mittagspause. Auffallend ist, dass niemand in der Behörde das Verschwinden meldete.

Der Task Force ist es nicht gelungen, ein gemeinsames Protokoll zur Verbesserung der Zusammenarbeit und des Informationsflusses zwischen den zuständigen Dienststellen auszuarbeiten. Dies habe vor allem daran gelegen, dass sich die Kabinette für Justiz und Asyl und Migration nicht einigen konnten, heißt es in der Zeitschrift Knack hierzu.

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