Razzia am Hauptsitz der Zeugen Jehovas in Belgien

Die Polizei hat letzten Donnerstag in der Gemeinde Kraainem (Flämisch Brabant) das belgische Hauptquartier der Zeugen Jehovas durchsucht. Die belgische Staatsanwaltschaft hat die Durchsuchung gegenüber der VRT bestätigt. Die Razzia wurde im Zuge einer Untersuchung nach sexuellem Missbrauch innerhalb der sektiererischen Gruppierung durchgeführt.

Die Polizei hat am Donnerstag, den 25. April, das belgische Hauptquartier der Zeugen Jehovas in Kraainem durchsucht. Was die Bundesanwaltschaft dort genau gesucht hat, will sie vorerst nicht mitteilen. Auf Antrag der belgischen Staatsanwaltschaft führt ein Ermittlungsrichter derzeit eine umfangreiche Untersuchung nach sexuellem Missbrauch innerhalb der Gruppierung durch.

Die Razzia erfolgte einen Monat nach der Enthüllung durch das VRT-TV-Magazin Pano. In der Reportage wird gezeigt, wie die Zeugen Jehovas jahrelang sexuellen Missbrauch mit Hilfe eines internen Rechtssystems vertuschen. Der Bericht zeigt auch, dass die Spitze der Gruppierung über die Täter Bescheid weiß, aber nicht zur Polizei geht.

Ehemalige Angehörige, genauer gesagt Männer, die als interne Richter innerhalb der Gruppierung fungierten, bezeugen in der Reportage, wie sie Taten des Missbrauchs intern im Haus lösen mussten. Die Opfer bezeugen wiederum, wie sie zum Schweigen gebracht wurden.

Es wurde befürchtet, dass nach der Pano-Reportage Beweismaterial vernichtet würde. Das sagte der Parlamentarier Stefaan Van Hecke in einer Talkshow der VRT vergangenen Monat. Van Hecke ist Mitglied der Arbeitsgruppe zur Untersuchung von Kindesmissbrauch bei den Zeugen Jehovas. "Die ersten Beschwerden gingen im September beim Justizministerium ein. Am 9. Januar hat die belgische Staatsanwaltschaft den Fall übernommen. Es wird daran gearbeitet. Doch ich hoffe, dass das Justizministerium jetzt sehr schnell Maßnahmen ergreifen wird. Und das sollte mit diesen neuen Elementen möglich sein", so Van Hecke auch noch.

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