Trappisten vs. Wirtschaft: Der Wasserstreit in Rochefort geht weiter

In Rochefort (Provinz Namür) müssen sich die Mönche weiter Sorgen um die Qualität ihres traditionsreichen und überregional bekannten Trappistenbiers machen. Hintergrund ist eine neue Genehmigung für die Lhoist-Gruppe, in der Nähe der Wasserquelle der Mönche Probebohrungen zum Ausbau der Kalksteinförderung durchführen zu dürfen. Damit wird dem Unternehmen ermöglicht, durch den Verlauf des Wassers der Tridaine-Quelle in den gleichnamigen Felsen zu bohren. Der Rechtstreit zwischen den Trappistren und Lhoist geht in eine neue Phase. 

Die Mönche der Abtei Rochefort und auch die Anwohner der Ortschaft Rochefort fürchten weiter um die Qualität des Trink- bzw. des Brauwassers. Die sogenannte Tridaine-Quelle liefert seit Jahrhunderten feinstes und sauberes Wasser. Ausgerechnet dort soll Lhoist womöglich Kalkstein abbauen dürfen. Das wollen weder die Anwohner, noch die Trappistenmönche aus der Abtei zulassen. Sie hatten bereits Mitte 2017 beschlossen, beim Umweltminister der Wallonischen Region, Carlo Di Antonio (CDH), Einspruch gegen die Genehmigung einzulegen. Man wolle alle juristischen und politischen Mittel nutzen, um die Aktivitäten der Lhoist-Gruppe hier zu verhindern, sagte damals der Sprecher der Rochefort-Abtei, Christophe de Doncker, gegenüber den Medien.

Minister Di Antonio erteilte der Lhoist-Gruppe die Genehmigung, Probebohrungen durchzuführen - noch vor dem entsprechenden Urteilsspruch, der im April 2018 erfolgte. Der Staatsrat in Brüssel entzog Lhoist aber damals die Genehmigung, die das Unternehmen von Seiten der wallonischen Regionalregierung zu ihrem Vorhaben erhalten hatte. Ganz nebenbei: Die international aktive Kalkgruppe Lhoist gehört einer der reichsten belgischen Industriellenfamilien, nämlich der Familie Lhoist-Berghmans.

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Die Trappisten-Abtei von Rochefort

Tradition vs. Arbeitsplätze

Die Abtei ist hier bereits seit 1230 zuhause. Jahrhundertelang lebten der Kalksteinabbau und die Bierbrauer in der Gegend um Rochefort bei Dinant in der Provinz Namür in einer Art„Kohabitation“ nebeneinander, doch jetzt droht dies weiter in Schieflage zu geraten. Die Mönche aus der Trappistenabtei Notre Dame de Saint-Rémy gewinnen ihr Brauwasser bereits seit 1797 aus dieser Quelle in der Bergwand und auch rund 3.000 der 5.500 Anwohner aus der Stadt werden von hier aus mit sauberem und fast kalkfreiem Wasser versorgt. Lhoist wiederum argumentiert mit der Notwendigkeit, auch hier Kalkstein abbauen zu müssen, um ihrer 480 Mann starken Belegschaft (andere Quellen sprechen von rund 150 Arbeitnehmern) die Arbeitsplätze garantieren zu können. Man wolle sich aber gerne mit der Gemeindeverwaltung und mit den Trappisten an einen Tisch setzen, um Gespräche zu führen.

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Einspruchsverfahren gegen das Urteil des Staatsrates

Eines der Argumente der Bier brauenden Mönche ist eine eventuelle Veränderung des Geschmacks ihrer diversen Biere. Sie befürchten, dass die Liebhaber von Rochefort-Bieren selbst vor einer nur leichten Geschmacksveränderung zurückschrecken. Bierliebhaber können sehr emotional auf solche Veränderungen reagieren. Lhoist gibt aber an, dass der Steinbruch oberhalb der Tridaine-Quelle spätestens 2023 ausgeschöpft ist und deshalb müsse man tiefer bohren und graben.

Das bedeutet, dass die Kalk-Gruppe ein Einspruchsverfahren gegen das Staatsratsurteil von April 2018 auf den Weg gebracht hat. Die Trappisten schrieben, wie die frankophone Wirtschaftszeitung L’Echo berichtet, einen flammenden Brief an den wallonischen Umweltminister und kritisierten, dass die wallonische Regionalregierung jedes Mal neue Genehmigungen für Probebohrungen erteile. Dort entgegnete man, dass man sich lediglich an die geltenden Regeln halte.

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© EKA/ EurekaSlide

Das Argument des Staatsrates in Brüssel, dass das Wasser der Tridaine-Quelle nach Bohrungen durch die natürlichen Wege des Wassers im Felsen schlicht und einfach nicht mehr zu genießen sei, wird dabei sowohl von der Regionalregierung, als auch von Lhoist ignoriert, schreibt die flämische Tageszeitung De Morgen dazu. Die Stadt Rochefort macht sich selbst keine großen Sorgen zu dem Thema. Sie bekommt pro Jahr rund 400.000 Kubikmeter Wasser kostenlos von der Trappistenabtei Notre Dame de Saint-Rémy aus der Tridaine-Quelle.

Stadt und Abtei teilen sich zudem die Kosten für das Hochpumpen dieses Wassers. Die Stadtverwaltung von Rochefort zeigt sich mit der Auflage der wallonischen Landesregierung zufrieden, nach der Lhoist die Wasserqualität zwingend im Auge behalten muss und von einem unabhängigen und externen Labor regelmäßig prüfen lassen soll. Überdies erhielt die Stadt während der trockenen Sommer bei Wasserknappheit Wasser von… Lhoist. 

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