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Brüsseler Straßenbahn feiert 150. Geburtstag. Ein Rückblick auf eine bewegte Geschichte

Am 1. Mai 1869 wurde die erste Straßenbahnlinie in der belgischen Hauptstadt in Betrieb genommen. Es war eine Premiere für unser Land. Die erste Straßenbahn fuhr von Ter Kamerenbos zur Naamse Poort. Brüssel hatte in den 1930er Jahren eines der größten Straßenbahnnetze Europas, aber nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Straßenbahn immer stärker von Auto, Bus und U-Bahn aus dem Straßenbild verdrängt. Seit 25 Jahren feiert die Straßenbahn aber wieder ein Comeback. 

Heute, vor genau 150 Jahren, wurde den Brüsselern die Straßenbahn als neues Verkehrsmittel vorgestellt. Die erste Straßenbahn wurde wie ihr Vorgänger, der "Omnibus" oder "Pferdebus", von Pferden gezogen. Das war ein großer Bus, der mehrere Personen transportieren konnte. Die große Innovation der Straßenbahn war, dass sie auf Schienen lief. Dadurch wurden weniger Pferde zum Ziehen benötigt und der Komfort der Passagiere, die weniger holprigen Straßen ausgesetzt wurden, erhöht.

Trammuseum Brussel

1874 wurde die erste Brüsseler Straßenbahngesellschaft ‚Les Tramways Bruxellois‘ gegründet. Es folgten schnell weitere. Da Pferde teuer waren, gepflegt werden mussten und nur eine begrenzte Anzahl von Kilometern laufen konnten, experimentierten Straßenbahngesellschaften mit Alternativen. Kurze Zeit fuhr sogar eine Dampfstraßenbahn durch die Hauptstadt, aber sie war nicht in der Lage, die Hügel von Brüssel zu bewältigen. Die elektrische Straßenbahn war ein Erfolg. Die erste Linie wurde 1894 eröffnet und fuhr vom Stefaniaplein nach Ukkel/Uccle.

Ab 1899 war ‚Les Tramways Bruxellois‘ die einzige Firma, die berechtigt war, das Straßenbahnnetz der Hauptstadt bis Ende 1945 zu betreiben. Voraussetzung war, dass das Unternehmen das gesamte Netz mit Elektroantrieb ausstattete. Im Jahr 1885 war das Netz 37 Kilometer lang und 1945 schon 241 Kilometer.

MIVB

Während des Ersten Weltkriegs wurde das Straßenbahnnetz in Brüssel hart getroffen. Die Wartung wurde vernachlässigt. Pferde und Straßenbahnausrüstung für militärische Zwecke beschlagnahmt. Erst 1925 wurde der normale Straßenbahnbetrieb wiederhergestellt. Während der Weltausstellung 1935 in Brüssel waren fast 100 Straßenbahnlinien in Betrieb. Mit 240 Kilometern war das Straßenbahnnetz eines der größten in Europa. Speziell für die Weltausstellung kamen neue Trams zum Einsatz. Die neuen Straßenbahnen hatten zwei Drehgestelle, was sie nicht nur länger, sondern auch schneller und komfortabler machte.

Belga archives

Nach dem Zweiten Weltkrieg lief die Konzession von Les Tramways Bruxellois aus. 1954 wurde die Nahverkehrsgesellschaft MIVB/ STIB gegründet, die seitdem den öffentlichen Nahverkehr in Brüssel betreibt. Damals gab es etwa 60 Straßenbahnlinien, eine Trolleybahn und drei Buslinien.

Inzwischen wuchs in der Hauptstadt die Popularität von Autos und Bussen. Die Straßenbahnen standen immer öfters Verkehrstau fest, so dass MIVB/STIB für Straßenbahnen getrennte Trassen und Tunnel einsetzen wollte. Die Straßenarbeiten anlässlich der Weltausstellung 1958 waren die perfekte Gelegenheit, daran zu arbeiten. Es wurde in Straßenbahnhöfe am Heysel investiert, die Brüsseler Ringstraße und die Louizalaan erhielten separate Straßenbahntrassen und der erste Straßenbahntunnel wurde in der Nähe des Südbahnhofs (Zuid/Midi) eröffnet.

MIVB

Der Erfolg des Busses setzte sich in den 1960er Jahren fort. Das Busnetz wurde erweitert, und das ging zu Lasten der Straßenbahnlinien. Bei Straßenbahnen schien die Zukunft hauptsächlich unterirdisch zu liegen. MIVB/STIB begann 1965 mit dem Bau der Pre-Metro. Am 17. Dezember 1969 eröffnete König Baudouin den ersten Abschnitt des Straßenbahntunnels, der die Stationen Schuman und De Brouckère verbindet. Die Entwicklung eines unterirdischen Netzes führte dazu, dass kleinere Tramstrecken oberirdisch verschwanden. Dies führte zu heftigen Protesten unter den Reisenden.

Belga archives

1976 nahmen Tausende von Menschen an der Eröffnung der ersten Metrolinie in Brüssel teil. In den folgenden Jahren wurde das U-Bahn-Netz weiter ausgebaut. Für einen Moment schien es, dass die Straßenbahn nun endgültig veraltet war. 1983 lag sogar ein Plan auf dem Tisch, das Straßenbahnnetz in Brüssel stillzulegen, aber am Ende geschah dies nicht nach heftigen Protesten. Die Straßenbahn wurde bis in die 90er Jahre von den Behörden aber stiefmütterlich behandelt.

1994, hundert Jahre nach der Einführung der ersten elektrischen Straßenbahnen, übernahm Brüssel  wieder eine Vorreiterrolle. Die neue Straßenbahn sah eher wie eine U-Bahn aus und erleichterte den Fahrgästen das Ein- und Aussteigen. Die neuen Fahrzeuge erhielten eine hellgelbe Farbe und die Buchstaben MIVB/STIB wurden in einem blauen Rechteck auf einem roten Punkt platziert.

Im Jahr 2006 erhielten die Straßenbahnen ihr aktuelles Aussehen. Das Gelb und Blau musste Platz machen für Silber und Gold. Die neuartige Straßenbahn erhielt fließende Linien, inspiriert vom Jugendstil.

Belga

Die Geschichte der Straßenbahn in Brüssel ist sicherlich noch nicht zu Ende erzählt. In den letzten Jahren wurden neue Investitionen in die Reorganisation und den Ausbau des Straßenbahnnetzes getätigt. Die ersten Gleise der Straßenbahnlinie 9 wurden 2015 verlegt. Seit 2018 verkehrt sie zwischen Simonis und Dikke Beuk und wurde erstmals von König Philippe betrieben. Im Jahr 2020 sollte die Strecke bis zur Haltestelle König Baudouin und später bis Heysel verlängert werden.  

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