"Das letzte Abendmahl" in Tongerlo: Arbeitete Da Vinci an dieser Kopie selbst mit?

In der Abtei von Tongerlo bei Westerlo in der Provinz Antwerpen hängt eine Kopie des Gemäldes „Das letzte Abendmahl“ von Leonardo Da Vinci. Dieses Werk gilt als die beste Kopie dieses Gemäldes. Im Zuge der Restaurierung des Bildes fand ein amerikanischer Kunstexperte heraus, dass der Meister Leonardo Da Vinci wohl selbst bei der Anfertigung dieser Kopie Hand angelegt haben muss, wie jetzt, exakt 500 Jahre nach dessen Tod bekanntgegeben wurde.

Die Kopie des Wandgemäldes „Das letzte Abendmahl“ von Leonardo Da Vinci, die in der Abtei Tongerlo zu sehen ist, stammt aus dem Jahr 1495. Das Original hängt in der Dominikanerkirche Santa Maria delle Grazie in Mailand und ist ein Fresko, ein Wandgemälde. Die Kopie in Tongerlo soll von dem französischen König Ludwig XII (1462-1515) bestellt worden sein und wurde auf Leinwand gefertigt.

Ende Dezember 2017 wurde in Tongerlo ein Crowdfunding lanciert, um das Werk zu restaurieren. Schirmherren dieser Aktion waren (und sind) der amerikanische Kunsthistoriker und Autor Jean-Pierre Isbouts und der Kunstkenner Christopher Brown. Beide haben sich in den vergangenen Jahren intensiv mit dem Frühwerk Da Vincis auseinandergesetzt und sind dabei auch auf die Kopie in der Abtei Tongerlo gestoßen.

Kunsthistoriker Isbouts musste aber feststellen, dass „nur noch rund 20 % dieses Originalgemäldes wegen der Entfärbung der Pigmente sichtbar sind.“ Um mehr über die Farbpigmente des Originalwerks erfahren zu können, suchten Isbouts und Brown die drei Kopien auf, die Schüler von Leonardo Da Vinci in den Jahren nach der Anfertigung des Originals anfertigten - teilweise unter Mitarbeit des Meisters selbst. Dies soll auch der Fall bei der Kopie in Flandern sein, wurde bereits 2017 vermutet.

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Belga

Mal genauer hingeschaut

Inzwischen hat Jean-Pierre Isbouts die Kopie des „Letzten Abendmahls“ optisch und technisch genauestens analysiert. Dazu bekam er Unterstützung von Wissenschaftlern des Löwener Forschungsinstituts Imec, die die Leinwand Millimeter für Millimeter mit sogenannten „Multi-Spektral-Kameras“ absuchten. Dabei konnten sie die verschiedenen Farblagen und Pigmente analysieren, um herauszufinden, welche Farben original sind und welche bei früheren Restaurierungen hinzugefügt wurden. Im Zuge dieser äußerst genauen Analyse fiel Isbouts besonders eine Figur in dieser Kopie auf. Das ist der Apostel Johannes links neben Jesus.

Und dieser Johannes ist im Unterschied zu den anderen Protagonisten auf dieser Kopie in einer anderen Malweise angefertigt worden, nämlich in der sogenannten „Sfumato-Technik“, die Leonardo Da Vinci persönlich bei seiner „Mona Lisa“ in dieser Form angewendet hat. Für den Kunsthistoriker steht daher jetzt fest, dass nur der „uomo universalis“ Leonardo selbst hier tätig war. Jean-Pierre Isbouts geht sogar so weit zu behaupten, dass das Werk in Tongerlo keine Kopie ist, sondern eher eine zweite Version des Gemäldes. Just heute, an diesem 2. Mai genau 500 Jahre nach dem Tode von Leonardo Da Vinci, mag dies eine kleine Sensation sein.

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Da Vinci in Tongerlo - eine wunderbare Geschichte

Diese 45 m² große Kopie des „Letzten Abendmahls“ befindet sich seit 1545 in der Abtei von Tongerlo, wie Pater Gabriël Goosens, der seit über 30 Jahren dort lebt, 2017 erzählte. Doch es hätte auch anders kommen können: „Wenn eine gute Seele das Werk nicht eingerollt in einem Speicher versteckt hätte, wäre es wohl während der Französischen Revolution im Louvre in Paris gelandet. Das Gemälde hat auch den großen Brand in der Abtei im Jahr 1929 überstanden und blieb bis 1960 in der Kirche von Westerlo. Jetzt hängt es seit einigen Jahren in einem eigenen Gebäude.“

Doch auch an der Kopie nagte der Zahn der Zeit, auch wenn sich die Pater in der Abtei immer sorgfältig um das Werk gekümmert haben, sagte Jean-Pierre Isbouts schon seinerzeit dazu: „Das Gemälde braucht dringend eine Restaurierung. Die Kosten dazu belaufen sich auf rund 500.000 €.“ Kurz nach dem Aufruf hatten sich schon 12 flämische Organisationen und Unternehmen in der Norbertiner-Abtei Tongerlo (gegründet 1130) gemeldet, die das Projekt finanziell unterstützen wollten.

Norbertijnenabdij van Tongerlo vzw, Abdijstraat 40, B-2260 Tongerlo

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