Der Antwerpener Sportpalast (Archivfoto)

Polizei nimmt zwei Unbeteiligte bei Anti-Terrorübung mit harter Hand fest

Der Antwerpener Polizei ist bei einer Anti-Terrorübung am Sportpalast der Stadt am 24. April ein schwerer Fehler unterlaufen. Sie hielt zwei völlig unbeteiligte Personen, die in einem Auto am Sportpalast vorbeigefahren wollten, für Komparsen bei der Übung, die zwei Terroristen darstellen sollten. Die beiden Personen wurden mit vorgehaltener Waffe aus ihrem Fahrzeug gezerrt und festgenommen, wobei ihnen mit harter Hand Handschellen angelegt wurden.

Die Polizei hatte am 24. April eine Sicherheitsübung organisiert, bei der eine Evakuierung des Sportpalastes im Zuge einer Terrordrohung das Thema war. Dabei sollten zahlreiche Komparsen die Rolle von Evakuierten und auch von angreifenden Terroristen übernehmen. Diese waren natürlich von der Planung der Übung unterrichtet. Zwei Männer jedoch, die mit ihrem Auto just zu diesem Zeitpunkt am Antwerpener Sportpalast vorbeigefahren waren, wussten nichts davon. Sie wurden mit harter Hand festgenommen. Offenbar dachten die beteiligten Polizisten, dass diese beiden Personen, die sich dem Vorgang wiedersetzten, ihre Rolle überzeugend spielten…

Einer der beiden Betroffenen, der Antwerpener Hamed Jabarkhel, beklagte sich danach über das soziale Netzwerk Twitter und wies dabei deutlich auf die Härte der Verhaftung hin und auch auf den eindeutig diskriminierenden Aspekt des Vorgangs: „Ich und mein Mitarbeiter wussten von dieser Sicherheitsübung nichts. Ich hörte Gewehrschüsse und ich sah eine Menschenmenge, die evakuiert wurde. Dabei bekam ich Angst.“ 

Ich und mein Mitarbeiter wussten von dieser Sicherheitsübung nichts. Ich hörte Gewehrschüsse und ich sah eine Menschenmenge, die evakuiert wurde. Dabei bekam ich Angst.“

Hamed Jabarkhel

Und dann kam die Verhaftung, bei der die beiden Betroffenen keine Möglichkeit hatten, sich zu verteidigen oder sich zu erklären. Zudem sorgte eine Person, die den gesamten Vorgang für die Polizei filmte, dafür, dass die Lage noch verwirrender wurde, so der Twitterbericht von Jabarkhel. Inzwischen hat sich die Antwerpener Polizei bei den beiden Unglücklichen offiziell und öffentlich entschuldigt und gab dabei an, dass der Vorfall einer internen Untersuchung unterzogen werde, an der auch die Antwerpener Staatsanwaltschaft beteiligt sein wird. Dabei sollen auch die oben erwähnten Kamerabilder genutzt werden.

Noch einmal zurück zur Verhaftung: Nach etwa anderthalb Stunden sei ein Polizeifahrzeug aufgetaucht, dass die beiden mitnehmen sollte, „doch darin war nur noch Platz für eine Person. Mein Kollege, ein weißer Belgier, wurde daraufhin freigelassen. Einfach so. Ich musste aber in den bereits vollen Polizeiwagen einsteigen.“ Das allerdings bestreitet die Polizei. Sie gibt an, dass beide „Unschuldige“ auf die Polizeiwache an der Noorderlaan mitgenommen worden seien, wo sich der Vorfall erst aufklärte. Hamed Jabarkhel sucht jetzt nach Zeugen, die seine Version des Vorgangs bestätigen.