Wegen unmenschlicher Zustände wollen De Lijn-Busfahrer nicht mehr unter Brüsseler Nordbahnhof halten

Die Gewerkschaften ACLVB, ACOD und ACV haben gemeinsam beschlossen, die Busse der flämischen Verkehrsgesellschaft De Lijn unter dem Brüsseler Nordbahnhof nicht mehr halten zu lassen. Ihnen zufolge habe sich nichts in Bezug auf Hygiene und Sicherheit verbessert. Am Nordbahnhof halten sich viele Obdachlose auf und zahlreiche Transmigranten verstecken sich dort. Gerüchte machen die Runde, dass Krankheiten wie Krätze und Tuberkulose in Umlauf seien. Doch De Lijn und das Gesundheitsamt haben keine Meldungen darüber erhalten.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Fahrer von De Lijn die Haltestelle am Nordbahnhof in Brüssel ignorieren. Im November letzten Jahres hatten sich die Busse von De Lijn eine Woche lang geweigert,  unter dem Nordbahnhof anzuhalten. Sie hielten stattdessen an der Haltestelle Rogier. Der Grund war derselbe: schlechte Hygiene und ein Gefühl der Unsicherheit.

Nach vielen Konsultationen auf verschiedenen politischen Ebenen wurde eine Reihe von Maßnahmen ergriffen wie mehr Polizeistreifen und Aufräumarbeiten. Anschließend wurde die Haltestelle wieder benutzt.

Doch viel geändert hat sich seither offenbar nicht. Die Situation hat sich sogar erneut verschlechtert.

Situation hat sich verschlechtert

Wenige Monate später hat sich die Situation nach Angaben der Gewerkschaften erneut verschlechtert. "Es kann nicht sein, dass wir den Gefahren des Nordbahnhofs noch viel länger ausgesetzt sind, sowohl in Bezug auf die Sicherheit als auch auf die Gesundheit. Das gilt zudem für die Fahrer und für unsere Fahrgäste", heißt es  in einer gemeinsamen Mitteilung der Gewerkschaften.

"In dieser Angelegenheit hat es wenig oder gar keinen Fortschritt gegeben", heißt es weiter. "Alles bleibt wie es ist. Dadurch verschlechtert sich die Situation von Tag zu Tag und Sicherheit und Gesundheit können in Zukunft nicht mehr gewährleistet werden. Wir setzten deshalb unsere Aktion so lange fort, solange keine geeigneten Maßnahmen ergriffen werden."

Die Buslinien von De Lijn, die normalerweise unter dem Nordbahnhof halten, können auf andere Haltestellen ausweichen.

Keine offiziellen Meldungen über Krankheiten

Der Arbeitsmediziner von De Lijn hat keine Kenntnis von Krankheiten, die sich unter den Obdachlosen oder Migranten am Nordbahnhof verbreiten.  Das sei doch nur um die Menschen zu beruhigen. „Das glaubt niemand mehr", sagt Marcel Conters von der Gewerkschaft ACOD. "Die Situation ist zu ernst. Sie ist unmenschlich geworden."

Conters betont auch noch, dass die Polizisten, die zur Haltestelle kommen, eine Mund- und Nasenmaske trügen. "Da fängt natürlich jeder an, sich Fragen zu stellen." Aus einer Nachfrage unseres Senders beim Gesundheitsministerium geht hervor, dass keine Meldungen über einen Ausbruch von Krankheiten am Nordbahnhof eingegangen seien.

De Lijn reagiert überrascht

De Lijn zeigte sich von der Ankündigung der Gewerkschaften überrascht.  "In der vergangenen Woche gab es viele konstruktive Kontakte zu den Gewerkschaften und eine Reihe von Schritten wurde unternommen", so Annelies Meynaert von De Lijn.

Meynaert versteht zwar, dass ihre Kollegen unter schwierigen Umständen am Nord-Bahnhof arbeiten müssten. "Das ist absolut wahr, aber wir bedauern auch, dass dieser Aufruf unseren Passagieren Unannehmlichkeiten bereiten wird.“

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