Ist Flanderns regionale Arbeitsvermittlung nicht effektiv?

Das flämische Arbeitsamt VDAB sieht sich nach einer Studie der Universität Löwen (KU Leuven) harscher Kritik ausgesetzt. Aus der Studie ist ersichtlich, dass im Jahr 2016 jeder vierte Arbeitsuchende nach Ablauf eines Jahres weder einen neuen Job hatte, noch einer Umschulung oder einem Praktikum folgten konnte. Besonders die Schwächsten am Arbeitsmarkt werden laut Studie häufig im Stich gelassen. 

Für die Betroffenen kann dies eine Katastrophe bedeuten, denn es ist hinlänglich bekannt, dass je länger man arbeitslos ist, je schwieriger wird es, eine neue Herausforderung anzunehmen. Die Wissenschaftler der Löwener Uni, die die vorliegende Studie anfertigten, in dem sie ein Jahr lang rund 288.000 neu eingeschriebene Arbeitslose statistisch beobachteten, fordern denn auch beim Landesarbeitsamt in Flandern deutlich mehr Aufmerksamkeit für die Schwächeren am Arbeitsmarkt, die ihrer Ansicht nach hier kaum noch Beachtung finden.

Zudem wurde deutlich, dass bis zu 40 % der Langzeitarbeitslosen in Flandern aus der Arbeitslosigkeit verschwinden. Das bedeutet bei weitem nicht, dass sie einen Job in Eigeninitiative gefunden haben, sondern dass sie vielleicht krank wurden oder in Rente gehen konnten.

Viele aber, so KUL-Professor Ludo Stuyven, der an der Studie mitgearbeitet hat, „ziehen sich aus dem Arbeitsmarkt zurück und werden inaktiv. Ein Teil davon wendet sich später wohl an die Sozialhilfe, um ein Mindesteinkommen zu beantragen.“ 

Die notwendigen Maßnahmen wurden bereits getroffen.“

Flanderns Arbeitsminister Philippe Muyters (N-VA)

Wer sind die Betroffenen, die hier durch das Raster fallen? Die Antwort auf diese Frage ist auch in Flandern so klassisch, wie dramatisch. Die meisten sind älteren Jahrgangs, sind nicht oder nur dürftig beruflich ausgebildet oder/und sprechen nicht die hier erforderliche Landessprache Niederländisch. Gerade in dieser Hinsicht, so die Arbeitsmarktforscher, sei das Angebot nicht angepasst.

Flanderns Arbeitsminister Philippe Muyters (N-VA) weist darauf hin, dass die KUL-Studie statistisch das Jahr 2016 erfasst: „Inzwischen haben wir eine ganze Reihe an Maßnahmen ergriffen, die spezifisch dafür sorgen, dass Arbeitsuchende während ihrer Arbeitslosigkeit Erfahrungen sammeln können. (…) Wir sorgen mit Übergangsjobs für einen ersten Schritt in den Arbeitsmarkt. (…) Das sind Maßnahmen, die in den Jahren 2017 und 2018 eingeführt worden sind.“

Inzwischen, so der Minister abschließend, werden Arbeitslose und Arbeitsuchende in Flandern auch besser begleitet: „Ich glaube, dass wir mit unseren Maßnahmen Schritte gemacht haben, die, wie diese Studie zeigt, auch notwendig waren.“