Brüssel ringt verzweifelt um Niederländischlehrer

In den letzten Jahren ist das Interesse am Niederländischunterricht in Brüssel enorm gestiegen. Früher fanden die französischsprachigen Bürger in Brüssel, dass es nicht der Mühe wert sei, Niederländisch zu lernen. Doch heute sei das anders. Diese Chance müsse man nutzen, wird Brüssels Bürgermeister Philippe Close in der Zeitung De Standaard zitiert. Doch der Hauptstadt fehlt es drastisch an Niederländischlehrern.

Die Tatsache, dass Brüssel nicht gerade mit Niederländischlehrern überströmt wird, liegt auch daran, dass Lehrer an französischsprachigen Schulen weniger verdienen als an niederländischsprachigen Schulen. „Hierfür müssen wir eine Lösung finden", sagt Close. Er denkt dabei an ein besseres Statut oder eine "Brüsseler Prämie", die schon bei der Polizei half oder an einen anderen Anreiz. „Wir sind offen für alles.“

Frankreich habe seine Alliance Française, um Französischlehrer weltweit zu formen, Deutschland das Goethe-Institut und Spanien das Instituto Cervantes. Das Haus des Niederländischen, das bereits existiert, sei nicht darauf ausgerichtet, Lehrer direkt zu vermitteln, die sofort eingesetzt werden könnten. Es bedürfe einer ernsthaften Investition, so Close.

Um eines klar zu stellen: Auch das Goetheinstitut bildet natürlich keine Lehrer aus, sondern nur fort.

Flandern soll mithelfen

Wer wie viel investieren soll, lässt Close offen. Doch Brüssel sei bereit, zusätzliche eigene Anstrengungen zu unternehmen. "Wir haben bereits viele neue Plätze geschaffen und werden weitere Schulen bauen. Wir haben einen Stadtbeirat für den niederländischsprachigen Unterricht angestellt. Und wir haben eine zweisprachige Lehrerausbildung in der Region. Doch wir können das nicht alleine schaffen“, so Close weiter. Noch immer gebe es nicht genug Plätze für die Schüler in Brüssel und auch die Prioritätsregel für Niederländischsprachige in niederländischsprachigen Schulen sei noch nicht ausreichend. Close unterstreicht deshalb die Dringlichkeit des Problems.

Wenn die flämische Regierung jetzt nicht zugreife, sei der Zug abgefahren, warnt der Bürgermeister von Brüssel. Dass die Leute in Brüssel Niederländisch lernten sei doch eine Win-win-Situation für Flamen und Brüsseler. Wenn jetzt aber nichts unternommen würde, würden die Eltern nach anderen Lösungen suchen und dann würde das Niederländische vom Englischen verdrängt.

In der Tat machen stets mehr private englischsprachige Schulen, in denen zum Beispiel Englisch und Französisch angeboten wird, den niederländischsprachigen Schulen und den französischsprachigen Schulen mit Niederländischunterricht Konkurrenz. Internationale Schulen sind im Trend, vor allem bei den Expats. An diesen Schulen wird zumeist nicht einmal Niederländischunterricht angeboten. Es gebe derzeit sogar französischsprachige Schulen in Brüssel, an denen kein niederländischer Sprachunterricht angeboten werde, weil sie keinen Lehrer fänden, weiß Close zu berichten.

Der Appell Closes erfolgt vor dem Hintergrund der Debatte in Brüssel über die Attraktivität zweisprachiger Schulen. Niederländischunterricht könne, aber müsse nicht unbedingt über zweisprachige oder Immersionsschulen gefördert werden. Dies könne auch über die bestehenden französischsprachigen Schulen erfolgen. „Solange wir nur ausreichend Lehrer für Niederländisch bekommen!“

In der Zwischenzeit will Close niederländischsprachige Studenten in Studentenjobs der Stadt einsetzen. Die könnten dann ein paar Cent in Jugendzentren und Altersheimen, beim Sozialamt oder in Gemeindezentren hinzu verdienen. Dafür bringen sie ihr Niederländisch mit.

Close reicht also Flanderns Regierung die Hand? Nun es ist Wahlkampf! Die Partei Closes, die PS (französischsprachige Sozialdemokraten), hat zwar kein allzu gutes Image in Flandern, doch Close will den Flamen Lust darauf machen, nach Brüssel zu kommen.

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