Empfehlungen der Experten in Sachen Klima

Auf Wunsch der Jugendbewegung für das Klima, Youth for Climate, hat eine Expertengruppe einen umfangreichen Bericht für den Schutz der Zukunft und Lebensqualität unseres Planeten erstellt. Der Bericht umfasst 94 Seiten mit 27 Empfehlungen zur Neuerfindung des gesamten Systems. Lesen Sie hier einige Empfehlung für Belgien bzw. Flandern.

Der Think Tank aus Klima- und Nachhaltigkeitsexperten, darunter der flämische Architekt und Bauhmeister Leo Van Broeck, bekam Input von mehr als 200 Wissenschaftlern aus verschiedenen Disziplinen für diesen Bericht. Bevor das Gremium 27 mögliche Empfehlungen auflistet, spricht es eine starke Warnung gegenüber den Regierungen in diesem Land aus. Die hätten sich bisher nicht immer durch einen überzeugenden (gemeinsamen) Ansatz ausgezeichnet.

„Nur weil die Herausforderungen unsere eigenen Grenzen übersteigen, heißt das noch lange nicht, dass wir innerhalb dieser Grenzen nicht handeln sollten. Unser Land kann sehr wohl entsprechend viele Maßnahmen ergreifen. Es ist inakzeptabel, dass wir nur dann handeln, wenn sich eine höhere Ebene der Politik - wie die europäische - auf etwas geeinigt hat".

Drei Stufen

Der Bericht beginnt mit drei Stufen für die Klima- und Nachhaltigkeitspolitik. Gleichzeitig sollten die politischen Entscheidungsträger immer bedenken, dass das Ganze dringend sei und dass wir eine öffentliche Unterstützung schaffen müssten. Damit dies geschehen könne, müsse der Übergang (zu einer kohlenstoffarmen oder kohlenstofffreien Gesellschaft, Red.!) fair sein. Mit anderen Worten, die Last muss gerecht verteilt werden.

Die Klimapolitik ist auch längst viel mehr als eine reine Umweltpolitik oder eine Emissionspolitik, fügen die Autoren des Berichts hinzu. "Es geht überdies um Dinge wie soziale Gerechtigkeit, Raumplanung, Produktions- und Verbrauchsmuster, eine gute Innovationspolitik und eine bessere, partizipativere Politik.“

Auch an die ärmeren Länder denken!

Da die Klimaherausforderungen global sind, dürfen wir die ärmeren Regionen nicht vergessen. Im Bericht heißt es deshalb: "Richten Sie ihr Augenmerk auf eine globale Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks durch intensive Entwicklungshilfe und internationale Solidarität."

Obwohl die reicheren Länder einen größeren Fußabdruck hinterlassen und oft zu den größten Verursachern von Umweltverschmutzung gehören, spielten die Bevölkerungszahlen nach Ansicht der Forscher eine noch viel größere Rolle. "Wenn es uns gelingt, die Armut weiter zu reduzieren und die Bildung der Frauen geografisch zu erweitern, wird die weltweite Geburtenrate automatisch weiter sinken.“ Darüber hinaus müssten sich die Entwicklungsländer auch auf die Zukunft vorbereiten und einen Übergang bei der Produktion und beim Verbrauch vollziehen können.

Forderung nach einem Klimaschutzgesetz

Das Panel bekräftigt die Forderung nach einem speziellen Klimaschutzgesetz und argumentiert: "Mehrere andere Länder haben eines, z.B. das Vereinigte Königreich, Dänemark, Schweden, Finnland, Frankreich und Norwegen, und die Niederlande werden diesen Monat folgen. Diese Gesetze tragen eindeutig dazu bei, die langfristige Vision der Klimapolitik zu stärken.“ Die fehlt wohl in Belgien manchmal.

Mehr Natur und umweltfreundlichere Gebäude

In Bezug auf Natur, Umwelt und Forstwirtschaft nennt der Bericht einige konkrete Zahlen. "Wir haben viel zu wenig geschützte Natur. Der Raum für Natur und Wald muss erheblich vergrößert werden. Belgien sollte 25 Prozent anstreben." Die Autoren fügen hinzu, dass die notwendige Fläche für die Natur, die als Klimapuffer benötigt wird, "von der Politik stark unterschätzt wird“. Derzeit deckt das Flämische Ökologische Netz kaum 6,8 Prozent der Fläche Flanderns ab. Bei den Naturschutzgebieten wären es nur knapp 3 Prozent.

Was den Energiewandel betrifft, so nennt der Bericht ebenfalls einige konkrete Ziele: Die Gebäude hierzulande müssten viel energieeffizienter und die Renovierungsrate der Häuser müsste dringend erhöht werden. Die Renovierungsrate sollte von 1% auf 3% pro Jahr steigen.

Unmittelbar mit dem Betonstopp beginnen

Am Ende werden in dem Bericht auch die zur Verfügung stehenden Flächen angesprochen. Die Autoren des Berichts fordern einen unmittelbaren Bebauungsstopp öffentlichen Raumes. „Verringern Sie den räumlichen Fußabdruck der Menschen und aktivieren Sie dadurch gleichzeitig die nötigen Instrumente."

Wir könnten dann mit der Verdichtung leben. So liegt in Großbritannien beispielsweise die durchschnittliche Dichte bei 1.800 Einwohnern pro km² Land. Wenn wir das auch hier in Flandern berücksichtigen würden, gäbe es Platz für 9 Millionen Einwohner, während wir derzeit nur 6,444 Millionen haben. Der Bericht kommt zu dem Schluss: "Ein konkreter Stopp kann tatsächlich sofort wirksam werden."

Bei einer Überprüfung des Katastereinkommens - der Besteuerung von Wohnraum - könnte ein möglicher Parameter die Flächennutzung pro Quadratmeter Gebäude sein: Je niedriger diese ist, desto niedriger sollte die Steuer sein.

Auch die Landwirtschaft müsse einen Teil ihres Fußabdrucks verringern, heißt es in dem Bericht auch noch.

Raumordnung überprüfen, um öffentlichen Verkehr effizienter zu nutzen

Auffallend ist das Argument bezüglich der Mobilität: Anstatt uns auf die Ökologisierung des Fuhrparks zu konzentrieren, sollten wir zunächst unsere Raumordnung so weit wie möglich neu gestalten, damit wir die öffentlichen Verkehrsmittel, Radwege und Sahring-Fahrzeuge viel effizienter nutzen könnten.

In diesem Zusammenhang müsse unsere typische Fragmentierung bei der Bebauung der Flächen so schnell wie möglich gestoppt werden. Die Autoren halten das sogar für "sehr dringend". Die Standorte müssten deutlich weniger fahrzeugabhängig werden. Dabei spiele auch die Mobilitätspolitik selbst eine wichtige Rolle, betonen die Forscher noch.

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