Foto: Andreas Kockartz

"JJ House" oder wie das Haus des Malers Jacob Jordaens zur hippen Adresse wurde

Antwerpen ist nicht nur die Heimatstadt des Malers Pieter Paul Rubens, sondern auch seines Kollegen Jacob Jordaens. Noch haben die Kulturtouristen, die nach Antwerpen kommen, dessen Wohnhaus (Foto) nicht entdeckt. Doch inzwischen ist dieser Geheimtipp eine hippe Adresse geworden. Und doch bildet das 400 Jahre alte Gebäude den historischen Kern eines Komplexes in permanenter Veränderung. Die jüngste Entwicklung davon entspricht sogar dem aktuellen Zeitgeist.

Das Wohnhaus des Antwerpener Barockmalers Jacob Jordaens liegt in der Reyndersstraat nur einen Steinwurf von Groenplats und Kathedrale entfernt. Und doch ist es „nur“ ein Geheimtipp, denn die meisten Touristen haben es noch nicht entdeckt. Jordaens selbst und viele verschiedene Besitzer und Mieter haben im Laufe der vergangenen 400 Jahre immer wieder Veränderungen durchgeführt oder Anbauten auf dem dazugehörenden rund 2.000 m² großen Grundstück zwischen Reyndersstraat und Hoogstraat errichtet.

In den vergangenen rund 200 Jahren passierte hier viel, obschon Gebäude und Grundstück seit dieser Zeit nur einer Familie gehörte und heute noch gehört. Das ist die Antwerpener Kaufmannsfamilie Vanderlinden, die enge Kontakte zur Kunstwelt, zur Politik und zur Wirtschaft der Hafenmetropole pflegte und pflegt.

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Foto: Andreas Kockartz

Sie vermietete den Komplex seit dem Kauf im Jahr 1823 an viele Mieter. Zuletzt verwaltete die Stadt Antwerpen das Jordaens-Haus mit verschiedenen Ämtern, doch selbst die Tourismus- und die Denkmalschutzbehörde der Stadt gingen nicht unbedingt immer pfleglich mit der Immobilie um - auch wenn seit Dezember 1950 weite Teile des Anwesens unter partiellem Denkmalschutz stehen. Vor einigen Jahren hatte der heutige Besitzer, Charles-Emile Vanderlinden wohl die Nase voll und kündigte allen noch vorhandenen Mietern.

Danach begab er sich auf die Suche nach Leuten oder Initiativen, die den Wert und die Atmosphäre des Jordaens-Komplexes zu schätzen wissen. Dabei stieß er auf die beiden jungen Geschäftsfrauen Erika Xuan Ngyen und Sihame El Kaouakibi. Diese legten ihm ein Projekt vor, dass aus dem historisch bedeutenden Anwesen einen Begegnungsort mit verschiedensten Funktionen machen sollte. Damit war das Projekt „JJ House“ geboren.

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Die beiden Frauen brachten zunächst einmal ihre eigenen kreativen Unternehmen im Jordaens-Haus unter, doch der Komplex ist so umfangreich, dass noch viel Raum übrig blieb. Nach dem das Anwesen geräumt, gereinigt und mit moderner Infrastruktur wurde, kamen Treffpunkte für junge Unternehmen hinzu, ein Café mit kleiner Restauration und Arbeits- oder Seminarräumen für Unternehmen oder Initiativen, die nur zeitlich begrenzt Raum brauchen.

Der Hof und einige Bereiche des Komplexes sind frei zugänglich und ermöglichen auch, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Dort finden sich chic, modern und zeitgemäß trendig eingerichtete (Zwischen)Räume mit kleinen Treffpunkten aus Vintagemöbeln und ähnlichem. Auch das Café ist angenehm modern und trotzdem der Geschichte des Baus entsprechend eingerichtet und weist noch immer die historische Holzdecke auf.

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Foto: Andreas Kockartz

Viele Bereiche des Gebäudes aber bleiben vor den Augen der spontanen Gäste verborgen und sind nur zu bestimmten Anlässen zugänglich, wie z.B. den Tagen des offenen Denkmals oder im Rahmen von besonderen Führungen. Die meisten der originalen Gemälde von Jacob Jordaens gehören inzwischen dem Antwerpener Logistikunternehmer Fernand Huts (Katoen Natie), ein bekannter Kunstmäzen, der sich um den Erhalt historischer Hochkultur in Flandern bemüht. Er lässt die lange vernachlässigten Werke gerade restaurieren und plant diese im „JJ House“ auszustellen.

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Foto: Andreas Kockartz

Heute ist das Jordaens-Haus alias „JJ House“ aber weitgehend ein offenes Haus, in dem jeder willkommen ist. Anwohner finden sich hier auf ein Bierchen ein und treffen dort auf Hipster und auf junge Start-up-Unternehmer. Neugierige werfen ab und zu mal einen Blick hinein und werden mit Sicherheit nicht enttäuscht. Den Eingang in der Reyndersstraat (Hausnummer 6), der durch einen eher unscheinbaren Torbogen führt, muss man allerdings suchen. Einmal entdeckt, folgt darauf ein kleines Aha-Erlebnis. Näheres unter www.jjhouse.be oder unter www.antwerpenalacarte.be, wo das Jordaens-Haus ab und zu auf der Route von Führungen liegt. 

Foto: Andreas Kockartz