Luxemburgisches Unternehmen investiert Milliarden in Gaskraftwerke in Belgien

Das Unternehmen EG Luxemburg, eine Tochter der luxemburgischen Finanzierungsgesellschaft BTK Invest, will mit Geldern aus Katar vier Gaskraftwerke in Belgien bauen. Dabei verzichtet das Unternehmen erst einmal auf Zuschüsse der belgischen Bundesregierung, die dabei helfen soll(t)en, den Atomausstieg zu kompensieren. Zum Bau dieser Kraftwerke soll auf vorhandene Standorte in Flämisch-Brabant und in Limburg zurückgegriffen werden. 

Nach einer Meldung der flämischen Wirtschaftszeitung De Tijd könnte die Investition von EG Luxemburg (Electricity & Gas Luxemburg) ein Riesenschritt in Richtung Atomausstieg sein. Das Unternehmen wird bis 2025 insgesamt vier Gaskraftzentralen in Belgien bauen und lässt sich dabei mit Geldern aus Katar fördern. Das bedeutet, dass das Unternehmen auf eine mögliche Bezuschussung von Seiten des belgischen Staates, der Projekte zur Energieproduktion im Zuge des Atomausstiegs finanzieren möchte, vorläufig zumindest verzichtet.

EG Luxemburg, eine Tochter von BTK aus Luxemburg, will die neuen Gaskraftwerke auf dem Gelände der Kraftwerke von Vilvoorde (Flämisch-Brabant) und Langerlo (Limburg - Foto oben) errichten und hat laut De Tijd hierzu bereits Vorabkommen zur Nutzung der Liegenschaften unterschrieben. Ziel ist, eine Energieleistung pro Kraftwerkszentrale von 870 Megawatt Strom zu bieten. Das würde einer Gesamtleistung von fast 3.500 Megawatt entsprechen - in etwa das, was derzeit 3,5 Kernkraftwerke in Belgien produzieren können.

Fast wird die notwendige Produktionsmenge erreicht

Belgiens Stromnetzbetreiber errechnete in einer Studie zum Atomausstieg vor einiger Zeit, dass dazu eine Energieleistung von 3.700 Megawatt notwendig sei. In Kombination mit der wachsenden Zahl an Windkraftanlagen in Belgien - sowohl Off Shore-Anlagen vor der hiesigen Nordseeküste, als auch Windräder im Inland - könnte das Aus für die teilweise maroden Atommeiler auf Dauer kompensiert werden, so die vorsichtige Ansicht von Experten.

Das Investitionsvolumen beläuft sich auf rund 2,5 Mia. € und wäre die größte Investition in den Energiesektor seit dem Bau der Kernkraftwerke von Tihange bei Lüttich und Doel bei Antwerpen. Der größte Teil der Investitionen kommt aus dem Emirat Katar, wo die staatlichen Behörden weiter nach Absatzmärkten für ihr Erdgas suchen, aber auch von Teilhabern aus der Schweiz und USA. Dieses Gas würde über das ING-Terminal im Hafen von Zeebrügge ins Land kommen, wo das Gas- und Energie-Vertriebsunternehmen Fluxys enorme entsprechende Tanks betreibt und unterhält. 

Umweltschonender Absatzmarkt für Erdgas aus Katar? 

EG Luxemburg-Vorstand Marc Segers, ein belgischer Energie-Ingenieur, der heute in Katar lebt, erinnert daran, dass diese Gaskraftwerke hinzukommend den Ausstoß von CO² und NOx weitgehend verhindern werden. Diese Schadstoffe sollen eingefangen und wiederverwendet werden, z.B. zur Produktion von Ethanol, so Segers. Auf den vorläufigen Verzicht auf staatliche Unterstützung reagierte Marc Seegers gegenüber VRT NWS folgend: „Wir rechnen nicht sofort mit Unterstützung. Dies ist die Geschichte eines Gaslieferanten, der sein Gas verkaufen will.“

Die Standorte, die beiden Gaskraftwerke in Vilvoorde und Langerlo, haben im Laufe der letzten Jahre die verschiedensten Besitzer gehabt. Engie-Electrabel musste die Werke vor einigen Jahren aus Wettbewerbsgründen veräußern und gab sie an den deutschen Konzern E.On ab. Dieser verkaufte sie dem bulgarischen Energiehändler Energy Market weiter, der zusammen mit Kapitalgebern aus Deutschland und Estland Biomasse-Kraftwerke daraus machen wollte. Dies misslang und ein neuer Besitzer wurde eine Immobilienfirma, die jetzt Nutzungsverträge mit EG Luxemburg/BTK Invest abschließen wird.

Der belgische Energieregulator CREG gab dazu an, bisher noch über keine entsprechenden Informationen zu verfügen und Bau- bzw. Betriebsgenehmigungen sind ebenfalls derzeit noch nicht beantragt worden.