Die Belgische Nationalbank zeigt ihre ausgedehnte Kunstsammlung

In Partnerschaft mit der Deutschen Bundesbank zeigt die Belgische Nationalbank (BNB) in Brüssel eine Ausstellung mit selten zu sehenden Werken. Wie viele Banken und andere Finanzinstitute überall in der Welt besitzt auch die BNB eine ausgedehnte Kunstsammlung. Diese Sammlung, die einer breiten Öffentlichkeit in weiten Teilen vorenthalten wird, umfasst rund 2.000 Kunstwerke: Gemälde, Fotografien und Skulpturen. Jetzt sind unter der Kuppel der kürzlich restaurierten Schalterhalle rund 80 Werke zu sehen. Diese kommen nicht nur aus der BNB-Sammlung, sondern auch von der Deutschen Bundesbank.

Diese gemeinsame Ausstellung der belgischen und der deutschen Nationalbanken in Brüssel läuft unter dem Titel „Building a Dialogue“. Die Ausstellung ist kostenfrei zu besuchen und der Ausstellungskatalog ist ebenfalls gratis. Doch wie kommt eine solche außergewöhnliche Ausstellung zustande? Ganz einfach. Die Verwalter von Kunstsammlungen von Banken sind miteinander bestens vernetzt und bei einem Treffen von deutschen und belgischen Staatsbankvertretern wurde schlicht und einfach die Idee zu „Building a Dialogue“ geboren … Ganz nebenbei: Die Deutsche Bundesbank besitzt eine Kunstsammlung mit über 55.000 Werken!

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Die Kunstsammlung der Belgischen Nationalbank wurde ab etwa 1972 angelegt. Die ursprüngliche Idee dabei war, die Büros und die Versammlungsräume der Bank mit zeitgenössischer und moderner Kunst aus Belgien zu dekorieren. Das bedeutet, dass die Sammlung in weiten Teilen von hiesigen Künstlern besteht, die sich moderner und zeitgenössischer Kunst verschrieben hatten und haben. Dahinter verbarg sich auch das Vorhaben, die Nationalbank als eine Art Mäzen für die Kunst im eigenen Land fungieren zu lassen.

Yves Randaxhe, der für die Kunstsammlung der BNB zuständig ist, gab an, dass man auch Rat bei Fachleuten, wie z. B. dem belgischen „Kunstpapst“ Jan Hoet, einholte. Kunst kann man in den Gebäuden der BNB quasi überall finden, in Gängen, in Treppenhäusern, in Pausen- und Meetingräumen. Randaxhe gibt an, dass einige der Werke speziell für den Ort angefertigt wurden, an dem sie zu sehen sind. Überdies, so der Kunstverwalter, würden jedes Jahr rund 400 Werke umgehängt oder anders platziert.

Wir wollen weg von dem Klischeeimage einer veralteten Institution in ihrem Elfenbeinturm. Mit dieser Gratisausstellung wollen wir mit allen Lagen der Bevölkerung in Kontakt kommen.“

Yves Randaxhe, Kunstverwalter der BNB

Die Belgische Nationalbank leiht auch Bilder für Ausstellungen anderer Kultur- und Kunstinstitutionen aus und sie erwirbt weiter Kunstwerke. Interessant ist, dass ein Teil der Werke einen eigenen (gewollten) Charakter hat. So weisen einige Stücke einen direkten Link in Richtung des Monetären auf. Kunst mit politischem oder mit pornographischen Inhalt ist ausdrücklich nicht darunter. Bisher wurde auf Videoinstallationen verzichtet, doch in der Sammlung befinden sich viele Fotografien. Nur eine Ausnahme ist darunter zu finden. Das ist das Werk „Bankrupt Composition“ von Sven t’Jolle, ein Werk mit einer scharfen Kritik an der Finanzkrise von 2008 …

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Die Sammlung der BNB ist besonders reichhaltig und umfasst auch Werke von Michaël Borremans, von Luc Tuymans, Dirk Braeckman, Pol Bury, Henry Van de Velde, Raoul De Keyzer und Künstlergruppen und -kollektiven aus Belgien, wie Cobra oder „De Nieuwe Visie“. Viele dieser Werke hat bisher kaum jemand zu sehen bekommen, außer die Mitarbeiter der Bank.

Die Ausstellung „Building a Dialogue“ ist allerdings besonders spektakulär, denn sie zeigt auch Werke der Deutschen Bundesbank, die hier in Belgien wohl noch nie zu sehen waren. Die gezeigten Werke aus beiden Banken stammen z. B. von Georg Baselitz, Raoul De Keyser, Jo Delahaut, Karel Dierickx, Rupprecht Geiger, Ann Veronica Janssen, Anselm Kiefer, Per Kirkeby, Marie-Jo Lafontaine, Gerhard Metz, Dan Van Severen oder auch Pieter Vermeersch.

Info: Belgische Nationalbank, Berlaimontlaan 3, 1000 Brüssel, 17. Mai bis 15. September 2019, Eintritt frei! www.nbb-expo.be