Rentendebatte im Wahlkampf: Bart De Wever rudert etwas zurück

Das Vorhaben der flämischen Nationaldemokraten N-VA, das Renteneintrittsalter auch nach dem vor der Regierung Michel I. festgelegten Alter von 67 Jahren weiter steigen zu lassen, sorgt in Belgien für hitzige Debatten. Das Vorhaben steht zwar nicht im N-VA-Wahlprogramm, wohl aber im Parteiprogramm. Inzwischen rudert Parteichef Bart De Wever (Foto) zurück und bemerkt, dass man einen solchen Schritt „im Laufe des Jahrhunderts“ setzen müsse. 

An Kritik an diesem Vorhaben mangelt es nicht. Schon am Mittwoch nahmen die flämischen Parteien die N-VA aufs Korn und die Kritik von Seiten der frankophonen Parteien ließ nicht auf sich warten. Die frankophonen Liberalen MR deuteten an, eine weitere Anhebung des Mindesteintrittsalters zur Rente sei mit ihnen während der kommenden Legislaturperiode nicht zu machen. 

Elio Di Rupo, der Vorsitzende der frankophonen Sozialisten PS, stellte sich via Twitter die Frage, ob Bart De Wever „auf den Kopf gefallen ist.“ Sowohl die PS, als auch die linksextreme PTB-PVDA wollen die sukzessive Anhebung des Rentenalters bis auf 67 Jahre im Jahr 2030 wieder abschaffen.

Die Gewerkschaften werfen De Wever und seiner N-VA vor, „eine Gesellschaft der Stärksten“ schaffen zu wollen. Der Vorsitzende der christlichen Gewerkschaft ACV, Marc Leemans, sagte dazu, dass dies ein Renten-Darwinismus nach dem Motto „survival of the fittest“ sei und ist der Ansicht, dass sich die N-VA lediglich für die Stärksten in unserem Zusammenleben einsetzt.

Die sozialistische Gewerkschaft ABVV rechnet vor: „Die sogenannte Lebenserwartung bei guter Gesundheit, bei der Anzahl Jahre, die ein Arbeitnehmer bei guter Gesundheit leben kann, beträgt bei Männern 63,5 Jahre und bei Frauen 64,1 Jahre. Diese Lebenserwartung liegt schon jetzt unter dem gesetzlichen Rentenalter von heute.“ 

Schnitzer?“

Beobachter nennen die Aussage des N-VA-Parteichefs und des Programms dieser Partei, nach dem man je länger man lebt, angesichts der höheren Lebenserwartung auch länger arbeiten sollte, um das Rentensystem bezahlbar au halten, in Wahlkampfzeiten einen „Schnitzer“, der vor allem einem eigentlich so guten Kommunikator wie eben Bart De Wever nicht unterlaufen dürfe. 

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