Stromrechnung in Flandern: 17 Mal teurer als in den Nachbarländern

2018 bezahlten flämische Haushalte im Durchschnitt 260 Euro mehr für ihren Strom als vor vier Jahren. Damit ist der Strompreis in Flandern um 33 Prozent gestiegen. In keinem anderen Nachbarland ist die Verteuerung vergleichbar. Schaut man genauer hin, ist nicht der Strom selbst teurer geworden, sondern alle Zusatzkosten und Abgaben.

Den Anstoß zu dieser Analyse gab die linksextreme Oppositionspartei PVDA, die Zahlen der föderalen Energieregulierungsbehörde CREG verglich. Die Partei kam zu dem Schluss, dass die Stromrechnung unter der rechtsliberalen Regierung von Premierminister Charles Michel (MR) zwischen Oktober 2014 und März 2019 um rund 400 Euro, umgerechnet um 60 Prozent, gestiegen  ist.

Die VRT-Nachrichtenredaktion beruft sich ebenfalls auf die Zahlen der CREG und vergleicht sie über mehrere Jahre – und nicht nur in bestimmten Aspekten.

Auch die Fachjournalisten kommen zu demselben, wenn auch zu einem nuancierteren Schluss: Vor vier Jahren bezahlte ein flämischer Haushalt durchschnittlich 780 Euro pro Jahr für Strom. Voriges Jahr war die Stromrechnung bereits auf 1.040 Euro gestiegen: +260 Euro oder + 33 Prozent.

2017: nirgends teurer als in Flandern

Im Vergleich zu den Nachbarländern sind die Flamen klar im Nachteil: Im selben Zeitraum war der Strom für deutsche und französische Haushalte nur knapp 4 Prozent teurer geworden. In Großbritannien beschränkte sich der Preisanstieg gar auf 1,61 Prozent Und in den Niederlanden sank der Strompreis zwischen 2015 und 2018 um 1,8 Prozent.

Ergebnis? 2017 war der Strom in der EU nirgends teurer als in Flandern, denn die Stromrechnung lag durchschnittlich über 1.100 Euro pro Jahr.

Nicht der Strom selbst teurer, sondern alle anderen Abgaben

Mittlerweile stellt der Strom selbst nur noch ein Viertel der Stromrechnung aus. Der Preis für die Energie selbst ist zwischen 2015 und 2018 mit nur 4 Prozent gestiegen. Die Verteuerung wurde insbesondere durch alle anderen Komponenten der Stromrechnung ausgelöst: D. h. Mehrwertsteuer, Abgaben und Kosten für die Elektrizitätsverteiler. Diese Kosten werden nicht durch den Markt, sondern durch die Politik beeinflusst.

Beispiel: Im September 2015 hat die Föderalregierung die MWST-Abgabe von 6 auf 21 Prozent hochgeschraubt. 2016 schafft die flämische Landesregierung den kostenlosen Strom ab und führt eine Steuer ein, um den Schuldenberg aus grünen Stromzertifikaten abzubauen. Infolgedessen fiel die Stromrechnung in Flandern höher als in Deutschland aus, wo gewöhnlich der höchste Strompreis in ganz Europa gilt.

Heute zahlen erneut die deutschen Haushalte am meisten für den Strom, dicht auf dem Fersen gefolgt von Flandern, wo jedes Jahr circa 1.000 Euro für die Stromrechnung fällig sind.

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