Fluggesellschaften und Flughäfen bringen die Flugsicherung Skeyes vor den Richter

Der schier unlösbare Sozialkonflikt bei der belgischen Flugsicherung Skeyes (früher Belgocontrol) sorgte mit Arbeitsniederlegungen, teils unangekündigten Streiks und massiven Krankmeldungen der Fluglotsen in den vergangenen Wochen und Monaten für den Ausfall von zahllosen Flügen. Skeyes kann unter diesen Umständen seine Dienstleistung offenbar nicht mehr den Erwartungen entsprechend erfüllen. Seit Tagen regnet es Klagen und jetzt legen die hiesigen Flughäfen und einige hier aktive Airlines noch eine Schippe gegen Skeyes drauf.

Nach dem ein Richter in Lüttich Zwangsgelder für nicht erfolgte Cargoflüge an dem dortigen Flughafen in Bierset auferlegte, folgte in der vergangenen Woche ein ähnliches Urteil in Brüssel für den Standort Brussels Airport in Zaventem. Jetzt folgt eine gemeinsame Klage aller belgischer Flughäfen zusammen mit den wichtigsten hier aktiven Fluggesellschaften Brussels Airlines und TUI fly. Dass sich im Sektor etwas gegen die Malaise bei Skeyes zusammenbraute, war klar, denn im laufenden Jahr kam es in etwa an jedem dritten Tag zu Problemen bei und mit der hiesigen Flugsicherung. 

Der wirtschaftliche Schaden und der Schaden, den unser Image erleidet, sind zu groß geworden.“

Pressemitteilung Brussels Airport

Mit ihrer Klage hoffen die belgischen Flughäfen und die beteiligten Fluggesellschaften darauf, dass die Dienstleistung, die Skeyes zu gewähren hat, auch erfolgt und wenn nötig, durch ein Urteil und durch die Androhung von weiteren Zwangsgeldern. Der Sozialkonflikt bei der staatlichen belgischen Flugsicherung (Gehaltsforderungen, weniger Arbeitsdruck, bessere Schichtpläne und zusätzliches Personal...) ist bei weitem noch nicht gelöst und inzwischen erschwert ein Streit zwischen den Gewerkschaften der Fluglotsen eine Einigung. Jetzt ist für die „Kunden“ von Skeyes das Maß voll. Sie wollen nicht länger akzeptieren, dass der Luftraum über Belgien ganz oder teilweise blockiert wird, „nur“ weil nicht ausreichend Fluglotsen zur Verfügung stehen. 

Skeyes ist nicht länger ein vertrauenswürdiger Partner“

Jean-Luc Crucke (MR), Walloniens für den Flugverkehr zuständiger Landesminister

Inzwischen beläuft sich der wirtschaftliche Schaden für Flughäfen und Airlines auf rund 10 Mio. €. Alleine bei der belgischen Lufthansa-Tochter Brussels Airlines entstand ein Schaden von bisher rund 4 Mio. €. Dieser Fluggesellschaft muss Skeyes Zwangsgelder für jeden nicht gestarteten, nicht gelandeten oder verspäteten Flug entrichten, wie ein Brüsseler Richter letzte Woche urteilte. Dabei ist das größte Problem, dass er der Flugsicherung nicht gelingt, etwaige Sperrungen des Luftraums überhaupt zeitnah zu melden… Jetzt fordern die Brussels Airport Company, Brussels Airlines und TUI fly von Skeyes per Androhung von Zwangsgeldern eine „ununterbrochene Dienstleistung“.

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Dem schlossen sich jetzt auch die wallonische Landesregierung und die Flughäfen von Lüttich/Bierset und Charleroi an. Schon jetzt untersucht die dortige Regierung über eine Studie, ob die die Aufgaben von Skeyes nicht an einen anderen Dienstleister „outsourcen“ kann, z.B. an die Fluglotsen des Maastricht-Aachen-Airports im niederländischen Südlimburg, die bereits in der jüngsten Vergangenheit eingesprungen sind, um den hiesigen Luftraum zu überwachen.