Spitzenkandidatin für Groen in Brüssel, Elke Van den Brandt: „In 14 von 19 Gemeinden regieren die Grünen nun mit und das merkt man.“

In Brüssel gibt der Flame seine Stimme für das Brüsseler Parlament, das flämische Parlament und die Kammer (föderal) ab sowie für das Europäische Parlament. Er oder sie muss also vier Mal am 26. Mai wählen. Wir stellen aus den folgenden sechs flämischen Parteien in Brüssel eine(n) der Spitzenkandidaten/-innen vor. Machen Sie sich hier ein Bild von Elke Van den Brandt von den flämischen Grünen Groen.

Sie will weniger Autos in Brüssel, so dass die Menschen, die das Auto wirklich benötigen, es auch benutzen können. Die Menschen sollen sich anders fortbewegen, meint Elke Van den Brandt, die für die Grünen in Brüssel kandidiert. Ihr Lieblingsort in Brüssel ist der Elisabethpark.

Der am meisten verschmutzte Ort in Brüssel, so erzählt sie, befinde sich am Botanique-Park. „Man denkt, das ist ein Park, das ist gut, denn dort ist es grün, aber dort führt eine sehr große Straße mit vier Fahrbahnen vorbei. Die Luftqualität an diesem Ort ist problematisch. Wir haben die schlechteste Luftqualität von ganz Europa. Das muss sich ändern. Was man in Gent oder Kopenhagen geschafft hat, ist auch in Brüssel möglich.“

Sie ist sowieso überzeugt, dass man den Brüsselern wieder mehr öffentlichen Raum zurückgeben sollte – mehr Raum für Fußgänger und Fahrradfahrer. Das geht dann natürlich zum Teil auf Kosten von Beton und des Platzes für Autos. Es gebe sicher noch Orte in Brüssel, an denen es grüner sein könnte. „Eigentlich sagen wir, jeder Brüsseler muss im Umkreis von 500 Metern seines oder ihres Hauses eine Grünfläche haben, einen Platz, zum Spielen, zum Spazieren, damit die Leute rausgehen können. Das ist für die Menschen gut und für die Luftqualität“, erklärt Elke Van den Brandt.

Eine andere Art des Fortbewegens ist in Brüssel absolut notwendig“

„Eine andere Art des Fortbewegens ist in Brüssel absolut notwendig“, wiederholt die Grünen-Politikerin. Dafür bedürfe es alternativer Fortbewegungsmöglichkeiten zum Auto, z.B. sehr schnelle Zugverbindungen aus den Vororten von Brüssel in die Brüsseler Innenstadt. „Die Schienen sind da, sie werden nur nicht ausreichend genutzt. Hierfür muss man mehr in die belgische Bahn investieren.“

In vielen Umfragen schneiden die Grünen gut ab. Auf den Vorwurf, dass die Grünen, wenn sie mitregieren dürften, es nicht immer machten, antwortet sie: „In Gent machen sie das doch schon. Die letzten Wahlen waren Kommunalwahlen. Damals ist eine grüne Welle über Brüssel geschwappt. Ecolo und Groen waren gemeinsam angetreten als größte politische Familie. In 14 von 19 Gemeinden regieren die Grünen nun mit und das merkt man.“ Allein in dieser Woche habe man vier zusätzliche Schulstraßen eröffnet und jede Woche kämen neue hinzu.

Für eine kinderfreundliche Stadt

 In Brüssel ist die Unterstützung für ein anderes Vorgehen als bisher groß. Auch immer mehr Fahrradwege werden angelegt. „Man fühlt die Trendwende, aber das Ganze muss beschleunigt werden.“ Und was die Sicherheit im Verkehr angehe, so machten sich alle Eltern in Brüssel, die Kinder hätten, egal welche Sprache sie sprechen oder welche Herkunft sie hätten, für mehr Sicherheit stark. „Brüssel muss kinderfreundlicher werden, so dass jedes Kind im Alter von 12 Jahren alleine in die Schule gehen oder mit dem Fahrrad fahren kann, ohne dass man sich als Eltern Sorgen machen muss.“ Van den Brandt ist deshalb fest entschlossen, aus Brüssel eine sicherere Stadt für Kinder im Verkehr zu machen.

Nichts für saubere Luft tun, ist asozial“

Brüssel ist eine Stadt mit hohen Armutszahlen. Einer von drei Brüsselern wächst in Armut auf. „Die Zahlen sind inakzeptabel. Jede Klimaregierung muss ein soziales Herz haben.“ Das bedeute, dass man dafür sorgen müsse, dass sich die Menschen auf eine andere Weise fortbewegen können und dass eine arme Familie, die mit ihrem besonders verschmutzenden, alten Dieselauto nicht mehr nach Brüssel hineinfahren darf, sich aber kein neues Auto leisten kann, Alternativen angeboten bekomme. „An eine Verbannung von Diesel-Autos muss man direkt soziale Maßnahmen wie Verschrottungsprämien und ein kostenloses Abonnement für öffentliche Verkehrsmittel koppeln“, weiß Elke Van den Brandt. „Nichts für gute Luft in Brüssel tun, ist auch sehr asozial!“

In Brüssel ist die Luft nämlich in den ärmsten Vierteln am schlechtesten und die am stärksten getroffenen Menschen der schlechten Luft sind die armen Menschen. „Hier leben 11.000 Kinder, die von Asthma betroffen sind. Wir gehören zu den ersten 10 Ländern der Welt mit Städten, in denen die Jugendlichen Atemwegserkrankungen und Asthma infolge von Luftverschmutzung haben.“

Gesunde Luft ist deshalb für Van den Brandt auch ein sozialer Kampf.

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Nicht genügend Schulen in Brüssel

„Jeder Elternteil, der eine Schule für sein Kind in Brüssel sucht, stößt auf die gleiche lange Warteliste. Wir sind die Hauptstadt von Europa und können nicht garantieren, dass für jedes Kind in Brüssel ein Platz in der Schule ist. Das ist absolut inakzeptabel. Wir brauchen mehr Schulen!“ Doch Schule ist nicht gleich Schule: Es müssten gute, die besten Schulen sein. Und sie müssten auf Mehrsprachigkeit setzen. Van den Brandt, die selbst Mutter von zwei Kindern ist, ist für ein paralleles Bestehen von zweisprachige Schulen neben französischsprachigen und niederländischsprachigen Schulen: „In Brüssel werden enorm viele Sprachen gesprochen. Das wird manchmal als etwas Unangenehmes empfunden. Doch das ist auch ein Reichtum. Kinder, die mit 18 aus der Schule kommen, müssen deshalb mindestens zwei- oder dreisprachig sein.“

90 Prozent der Brüsseler ist für zweisprachige Schulen. Man müsse deshalb solche Schulen einfach realisieren!

Persönlich

Persönlich verschwende sie viel zu viel Zeit im Verkehr, sagt die 39-jährige Grünen-Politikerin. Und das selbst mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Die könnten schneller sein, so Elke Van den Brandt. „Busse und Straßenbahnen sollten nicht im Stau stehen müssen. Sie brauchen einen eigenen Fahrstreifen.“

Sie ist einfach gerne in Brüssel, denn Brüssel sei eine Stadt mit viel Potenzial. Hier versammelten sich jede Menge Talente. Es sei auch viel möglich und es könne in der belgischen Hauptstadt großes realisiert werden.