Personalengpass: In Belgien melden sich zu wenig Polizeianwärter

Die Zahl der Anwärter für einen Job bei der belgischen Polizei sinkt, wie die Polizeigewerkschaft VSOA einmal mehr feststellt. Der Beruf des Polizisten habe an Anziehungskraft verloren, so die Gewerkschaft. In einem offenen Brief an die Politik nur wenige Tage vor den Parlamentswahlen in Belgien fordert die VSOA zum Handeln auf. Belgiens scheidender Innenminister Pieter De Crem (CD&V) sagte dazu, dass die folgende Bundesregierung 200 Mio. € zusätzlich um Haushalt für die Polizei vorsehen solle, damit einem drohenden Personalengpass entgegengewirkt werden könne.

Letztes Jahr haben sich 8.198 Kandidaten für einen Job bei der Polizei, bzw. für eine Ausbildung bei der Polizei beworben. Das sind laut Polizeigewerkschaft viel zu wenig Bewerber gewesen. Die VSOA erinnert daran, dass sich noch 2014 fast 12.000 Bewerber in dieser Hinsicht gemeldet hatten.

Hinzu kommt noch, dass bei weitem nicht alle Anwärter auch tatsächlich einen Job bei der Polizei bekommen, denn viele schaffen die Ausbildung nicht oder sind für ein solches Amt nicht wirklich geeignet. 2018 konnten letztendlich 1.157 Polizeianwärter mit einer Ausbildung beginnen, doch die derzeitige Personallücke bei der Polizei, wo aktuell rund 3.000 Beamte und andere Mitarbeiter zu wenig sind, wird dies nicht signifikant füllen können.

Die Polizeigewerkschaft wirft der scheidenden Bundesregierung in Brüssel vor, sie habe mit ihren ständigen Reformen des Statuts der Polizisten und mit ihren Sparmaßnahmen dafür gesorgt, dass der Beruf des Polizisten heute nicht mehr so attraktiv sei, wie vielleicht früher einmal.

Noch-Innenminister De Crem reagiert

Innenminister De Crem empfiehlt der nächsten Regierung, für die Polizei nach den Wahlen 200 Mio. € zusätzlich im Haushalt vorzusehen. Und erinnerte daran, dass die kurzfristige Rekrutierung neuer Polizeibeamter von 1.400 auf 1.600 Personen erhöht wurde. Daneben soll die Rekrutierung rascher, punktueller und im Zeitraffer geschehen, damit die zusätzlichen Beamten zügiger eingesetzt werden können.

Nicht selten ist bei potentiellen Polizeianwärtern aber zu vernehmen, dass sie auf eine Bewerbung letztendlich auch verzichten, weil die Gewalt gegen Uniformierte hierzulande zunehme und weil der Respekt vor der Uniform im Allgemeinen verlorengehe. Nicht zuletzt schreckt auch die mögliche Entwicklung in Sachen berufliche Laufbahn bei der Polizei ab, denn es wird zunehmend schwieriger, hier Karriere zu machen, was auch die VSOA gegenüber der Politik kritisiert.