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Belgien einfach mal erklärt

Am Sonntag sind Wahlen in Belgien. Doch wie funktioniert dieses Land eigentlich? Lesen Sie hier einen einfachen Überblick über diesen komplizierten EU-Mitgliedstaat. Belgien für Dummies also!

Als Belgien 1830 unabhängig wurde, gab es eine belgische Regierung und ein Parlament. Und eigentlich ist das auch 140 Jahre lang, also bis zur ersten Staatsreform 1970, so einfach geblieben.

Heute leben wir allerdings in einem besonderen Land. Im Norden haben wir Flandern. Dort spricht man Niederländisch. Im Süden liegt Wallonien. Dort spricht man Französisch. Im Osten Belgiens liegt auch noch ein kleines Gebiet, in dem man Deutsch spricht.

Diese verschiedenen Sprachgruppen wollen lieber selbst über Dinge entscheiden, die sie für wichtig halten. Ab 1970 haben die Belgier deshalb damit begonnen, ihr Land „aufzuteilen“.

Die belgische Regierung und das belgische Parlament bestehen immer noch. Dort werden die Gesetze für das gesamte Land gemacht.

Doch inzwischen gibt es auch drei Regionen: Flandern, Wallonien und Brüssel. Und jede Region hat ihr eigenes Parlament und ihre eigene Regierung. Sie entscheiden über alles, was mit dem Grund und Boden zu tun hat, z.B. Vorschriften für Unternehmen, für Landwirte oder für Autobahnen auf ihrem Hoheitsgebiet.

Daneben existieren auch noch drei Gemeinschaften: Die flämische Gemeinschaft, die französischsprachige Gemeinschaft und die deutschsprachige Gemeinschaft. Die Parlamente und Regierungen dieser Gemeinschaften treffen Entscheidungen über die Menschen in ihrer Gemeinschaft. Sie treffen zum Beispiel Entscheidungen in Sachen Unterrichtswesen.

Die flämische Region und die flämische Gemeinschaft haben sich entschlossen, ihre Regierungen und Parlamente zusammenzuführen.

Und doch gibt es zur Zeit in Belgien sechs Parlamente und Regierungen:

1.      Das föderale Parlament (für ganz Belgien)

2.      Das flämische Parlament

3.      Das wallonische Parlament

4.      Das Brüsseler Parlament

5.      Das Parlament der französischsprachigen Gemeinschaft

6.      Das Parlament der deutschsprachigen Gemeinschaft

Und dann gibt es noch das Europäische Parlament, für das die Belgier stimmen können. Die Europäische Union trifft Entscheidungen, die auch Einfluss auf das Leben in Belgien haben.

Wer wählt denn jetzt was?

Am Sonntag, den 26. Mai, müssen die Wähler aus Flandern Vertreter des Europäischen Parlaments, des föderalen Parlaments und des flämischen Parlaments wählen.

Die Flamen in Brüssel müssen gar vier Mal wählen: für das Europäische Parlament, für ein neues föderales Parlament, für das Brüsseler Parlament und für das flämische Parlament.

Auch in Wallonien (für das Europäische Parlament, für das föderale Parlament, für das wallonische Parlament, für das Parlament der französischsprachigen Gemeinschaft) und in Ostbelgien (für das Europäische Parlament, für das föderale Parlament, für das wallonische Parlament, für das Parlament der deutschsprachigen Gemeinschaft) müssen die Einwohner vier Mal ihre Stimme abgeben.

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