Premier hält Einstellung französischsprachiger Parteien gegenüber Regionalisten der N-VA für "scheinheilig"

Dass die französischsprachigen Sozialisten von der PS, die Grünen von Ecolo und die Christdemokraten von CDH mehr oder weniger ausschließen, dass sie nach den Wahlen mit den flämischen Regionalisten von der N-VA regieren werden, hält der liberale Charles Michel für "heuchlerisch". Das sagte der Premierminister und Präsident der MR an diesem Donnerstag in Interviews mit dem Privatsender Bel RTL und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk RTBF.

Charles Michel erinnerte daran, dass die (flämischen) Sozialisten und Grünen kein Problem mit der Zusammenarbeit mit der N-VA auf lokaler Ebene hätten.

Die französischsprachige liberale MR von Michel schließe deshalb nicht aus, dass sie nach dem 26. Mai über ein neues Regierungsabkommen mit der N-VA verhandeln werde. „Denn wir wollen Teil eines Projekts sein. Wir haben den Separatismus fünf Jahre lang blockieren können, eine Reformblockade vermeiden und Reformen durchführen können, die 250.000 zusätzliche Jobs geschaffen haben“, sagte Michel.

Er kritisierte auch die durchgesickerten Aussagen des N-VA-Vorsitzenden Bart De Wever über "Razzien" in Antwerpen, die auf der Grundlage der Anzahl der verfügbaren Plätze in geschlossenen Zentren und auf Basis von  Rückführungsflügen von "Air Francken" organisiert würden. Wie Theo Franckens Äußerungen über einen drohenden "Tsunami" von Migranten, so seien solche Aussagen "Exzesse", betonte Michel weiter.

Er stellte diese Äußerungen auf eine Stufe mit "den Exzessen der Linken, wenn es um Razzien geht oder um den faschistischen Staat oder um die kriminelle Regierung oder wenn Emir Kir (PS) in ausländischen Medien entgleist", weil er von einer Regierung spreche, die Muslime jage. "Auch das verurteile ich", sagte Michel noch.