Schimmel in der Sammlung? Belgiens staatliche Archive und Museen leiden unter Sparzwang

Insgesamt 10 verschiedene Einrichtungen, Museen und Archive, unterhält der belgische Staat. Doch in diesen Einrichtungen zeigt sich, dass die politisch Verantwortlichen hier nur ein mangelndes Interesse an den Tag legen. Die Sparwut der scheidenden belgischen Mitte-Rechts-Regierung sorgt dafür, dass die Finanzierung dieser Häuser nicht mehr ausreicht. Alleine die Rechnungen für Strom, Heizung und Wasser sind inzwischen so hoch, dass die Zuwendungen nicht mehr reichen. Die Folgen sind dramatisch.

In dieser Woche berichtete die frankophone Wirtschaftszeitung L’Echo über die Malaise in den Museen und Archiven des belgischen Staates. Hier wird überall das Geld knapp. Schon die laufenden Rechnungen für die Energieversorgung können kaum beglichen werden. Von notwendigen Unterhaltsarbeiten an den einzelnen Gebäuden ganz zu schweigen. Aufgrund der Sparmaßnahmen der belgischen Bundesregierungen sanken die Zuschüsse für die 10 staatlichen belgischen Einrichtungen und ihre zahlreichen Standorte in nur fünf Jahren um 15 bis 20 %.

Am Beispiel des Staatsarchivs wird das Problem deutlich. An den verschiedenen Standorten des Archivs, wo insgesamt rund 350 km Archivregale zu finden sind, muss die Temperatur in diesen Tagen auf konstant 18°C gehalten werden. Schon dies verschlingt Unsummen, reicht aber nicht, um das größtenteils papierene Archivmaterial vor Schimmel zu schützen. Und nichts ist für einen Archivar schlimmer als Schimmel…

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Ein Dokument über die Pest aus dem belgischen Staatsarchiv Algemeen Rijksarchief Brussel - Rekenkamer Brussel / 004 bestand 17870 folio 1

Gleiches droht auch den staatlichen Museen, wie z.B. den Königlichen Museen für Schöne Künste in Brüssel. Hier stöhnt die Verwaltung zum einen unter den hohen Stromrechnungen für die Beleuchtung der Ausstellungsräume und für die Lager, in denen zehntausende nicht ausgestellte Kunstwerke untergebracht sind, sondern auch über veraltete Gebäude, in denen es mitunter reinregnet. 

Hohe Energierechnung wegen schlecht unterhaltener Gebäude

Würden die Gebäude vernünftig unterhalten, ausgebessert oder modernisiert, dann würde auch die Isolierung besser sein und damit würden auch die enorm hohen Strom- und Heizungskosten auf Dauer gesenkt. Doch trotz versprochener Gelder aus verschiedenen Fonds geschieht nichts und absolut notwendige Restaurierungen von Kunstwerken wurden via Crowdfunding finanziert.

Nicht zuletzt geht der Personalbestand der staatlichen wissenschaftlichen Einrichtungen stetig nach unten. Sogar das neu eröffnete AfrikaMuseum in Tervueren bei Brüssel leidet darunter. Heute ist das Museum wesentlich größer als früher, doch die Zahl der dortigen Mitarbeiter ist weiter gesunken.

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Das AfrikaMuseum/Foto: Andreas Kockartz

Eigentlich herrsche überall permanent Krisenstimmung, ist von Seiten der Direktoren und der Mitarbeiter der Archive und Museen zu hören. Aus dem Kabinett von Bundeswissenschaftsministerin Sophie Wilmès ist dazu zu hören, dass 2016 einem Renovierungsplan mit einem Finanzvolumen von 145 Mio. € zugestimmt worden sei. Doch die Finanzierung der laufenden Rechnungen verlautete dazu: „In diesem Kontext ist es an den wissenschaftlichen Einrichtungen selbst zu sehen, wie sie ihre Sammlungen auf eine bessere Art und Weise auf die diversen Standorte verteilen, um so ihre Räumlichkeiten besser zu nutzen.“ 

Archive in Gefahr? Nicolas Maeterlinck