Laurie Dieffembacq

„Brüssel ist eine moderne Stadt, die deutlich grün wählt"

Aus ersten Ergebnissen geht hervor, dass die Grünen beider Sprachgruppen stark in der Hauptstadt hinzugewinnen. Auf der flämischen Seite würde Groen sogar zur größten Partei in Brüssel werden.

Die grüne Welle der Kommunalwahlen in Brüssel geht also weiter, da Ecolo und Groen bei den vorläufigen Ergebnissen für das Brüsseler Parlament fest an der Spitze stehen. "Auf der einen Seite ist die globale Erwärmung wirklich ein Thema geworden und auf der anderen Seite verändert sich Brüssel", so der grüne Bürgermeister von Watermael-Boitsfort, Olivier Deleuze (Ecolo). "Das sieht man in allen Stadtteilen. Es ist eine moderne Stadt, die heute eindeutig grün wählt. Ich bin nicht für die Partei verantwortlich, also liegt es nicht an mir, zu entscheiden, wer Partner werden könnte. Lasst uns nicht an die Grenzen denken, aber lasst uns einfach alle zusammenarbeiten."

Auf flämischer Ebene hat Groen leicht zugelegt, aber vor allem der große Sprung des Vlaams Belang bereitet Deleuze Sorgen. "Der Vlaams Belang ist für uns eine faschistische Partei, deshalb ist es beunruhigend, das zu sehen. Das sind schlechte Nachrichten", so Deleuze.

Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Ecolo, PS und MR

Auf französischsprachiger Seite liegen Ecolo, PS und MR vorne, und es ist noch nicht klar, wer die größte Partei wird.

Ecolo legt vorerst zu. Die Grünen sollen zehn Prozentpunkte zugelegt haben. PS und MR verlieren einige Prozentpunkte, so dass der Abstand zwischen den Dreien nur gering ist.

Die PTB tritt mit vorerst 12% der Stimmen in das Brüsseler Parlament ein. Die christdemokratische CDH würde vier Prozentpunkte verlieren.

Auf flämischer Seite wird wahrscheinlich Groen die größte Partei. Die Partei gewinnt vorerst rund vier Prozentpunkte und überholt damit die liberale Open VLD. Das liberale Team um das Aushängeschild Guy Vanhengel scheint der große Verlierer in Brüssel zu sein. Nach den vorläufigen Ergebnissen verliert Open VLD mehr als zehn Prozentpunkte.

Die liberale Open VLD, die vor fünf Jahren noch die größte flämische Partei in Brüssel war, muss also Federn lassen.

Wer auf flämischer Seite auch Stimmen verliert, ist One Brussels - SP.A. Die Partei von Mobilitätsminister Pascal Smet verliert sechs Prozentpunkte und ist derzeit die viertgrößte Partei auf der flämischen Seite.

Brüssel wird nicht von gelber Welle überflutet

Einige Umfragen hatten vorhergesagt, dass N-VA die größte flämische Partei in Brüssel werden würde. Das ist nicht passiert. Die Partei bleibt vorerst auf ihrem Status quo und würde nach den vorläufigen Ergebnissen 17% der Stimmen erhalten.

Nach den vorläufigen Ergebnissen gewinnt der Vlaams Belang rund zwei Prozentpunkte hinzu. Ein gutes Ergebnis für diese Partei, aber kein substanzieller Gewinn wie in Flandern.

Auffallender Newcomer im Brüsseler Parlament ist Agora

Wenn die vorläufigen Ergebnisse weiter anhalten, wird es einen markanten Neuzugang im Brüsseler Parlament geben: die Bürgerbewegung Agora. Diese Partei will eine große Bürgerversammlung organisieren. Bürger werden durch das Los zufällig auserwählt und sollten auch ein Mitentscheidungsrecht für Agora erhalten. Auf der flämischen Seite würde diese Partei fast sieben Prozent erreichen.

"Wenn ich ins Parlament komme, organisieren wir eine Versammlung: Wir werden viele Bürger für diese Versammlung gewinnen, und im Parlament werde ich nur die Ansichten dieser Versammlung vertreten", so der Vorsitzende der Liste, Pepijn Kennis gegenüber Bruzz.