Jonas Roosens

"Wir müssen gut überlegen, wie wir mit diesem Rechtsruck umgehen"

In Flandern hat eindeutig ein Rechtsruck stattgefunden. „Wir müssen sorgfältig darüber nachdenken, wie wir damit umgehen", sagt Christoph D'Haese, Zweiter auf der parlamentarischen Liste der N-VA in Ostflandern gegenüber dem Privatsender VTM als Reaktion auf das Wahlergebnis.

"Das fühlt man, wenn man mit den Menschen in Kontakt kommt, wie man es bereits bei den Kommunalwahlen gesehen hat. Sie sehen die Entwicklung des Abstimmungsverhaltens. Und wenn Sie ein guter Politiker sind, müssen Sie zuhören, was der Wähler sagt, in allen Bereichen", so D'Haese weiter.

Der Bürgermeister von Aalst weist darauf hin, dass die N-VA nach wie vor die größte Partei ist. "Das ist ein wichtiges Signal bei diesen Wahlen."

Klar ist inzwischen: Mehr als ein Drittel der Stimmen sind gezählt und das flämische Parlament wird bald ganz anders aussehen.

Die Regierungsparteien N-VA, Open VLD und CD&V verlieren deutlich an Boden. Der große Gewinner ist der rechtsextreme Vlaams Belang, der mit 18,2 Prozent nach N-VA die zweitgrößte Partei in Flandern wird. Einer Prognose unseres Hauses VRT zufolge würde die linke PVDA zum ersten Mal in seiner Geschichte auch mehrere Sitze im flämischen Halbrund erhalten.

Für Gerolf Annemans (Foto), ehemaliger Parteivorsitzender und Listenführer von Vlaams Belang für das Europäische Parlament, dürfe sich der derzeitige Parteivorsitzende Tom Van Grieken das super Ergebnis anrechnen.

„Das ist in jeder Hinsicht der Moment von Tom Van Grieken", twitterte Annemans, denn er "nahm die totale Verjüngung und Erneuerung des Vlaams Belang auf seine Schultern, zu einer Zeit, da kaum jemand glaubte, dass wir zurückkommen könnten".

  "Flandern hat mehr denn je flämisch und rechtsgerichtet gewählt. Jetzt geht es weiter", schließt Annemans.

Vorläufig N-VA größte Partei und Vlaams Belang zweitgrößte Partei

Mit 27,8% bleibt die N-VA die größte Partei im flämischen Parlament. Die Partei würde 4,1 Prozentpunkte gegenüber 2014 verlieren und etwa 8 Sitze verlieren.

Auch die Koalitionspartner CD&V und Open VLD verlieren an Boden. CD&V, die zweitgrößte Partei im Jahr 2014 mit 20,5 Prozent, sinkt um mehr als 6 Prozentpunkte auf 14,2 Prozent. Und die flämischen Liberalen von Open VLD sinken von 14,1 Prozent auf 11,6 Prozent.

Der große Gewinner ist der rechtsextreme Vlaams Belang. Diese Partei springt auf einen Schlag von 5,9% auf 18,2% und ist damit die zweitgrößte Partei Flanderns. Im flämischen Parlament würde die Partei von 6 auf 23 Sitze springen, so eine VRT-Prognose.

Das Bild der linken Oppositionsparteien ist gespalten. Grün (Groen) verbessert sich leicht und geht von 8,7 Prozent auf 10,7 Prozent. SP.A verliert an Boden und fällt von 14 Prozent auf 9,8 Prozent.

Zum ersten Mal würde die linke PVDA auch Sitze im flämischen Halbmond erobern. Die Partei liegt bei 5,9 Prozent. Die VRT-Sitzprognose ergibt vier flämische Sitzen für die Kommunisten.

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