Wer wurde gewählt? Wer muss gehen?

Die flämischen, föderalen und Europawahlen haben jede Menge Überraschungen in Belgien mit sich gebracht. Einige bekannte Politiker sind nicht wiedergewählt worden, während jede Menge Newcomer ihr erstes Mandat antreten dürfen. Das sind die auffälligsten Gewinner und Verlierer.

Viele Newcomer beim rechtsextremen Vlaams Belang

Der Vlaams Belang geht aus allen drei Wahlen in Belgien (föderal, regional und europäisch) als großer Sieger hervor. Das spiegelt sich auch an der Zahl der neuen Gesichter in den verschiedenen Parlamenten wieder.

Im Flämischen Parlament holten die Rechtsextremen 23 Sitze. Ein Newcomer unter ihnen ist Klaas Slootmans.

In die Kammer (föderal) ziehen Vlaams Belanger wie Wouter Vermeersch, Annick Ponthier und der Parteivorsitzende Tom Van Grieken ein, der aus dem flämischen Parlament kommt. Auch der unabhängige Kandidat Dries Van Langenhove, Vorsitzender der rechtsextremen Bewegung Schild & Vrienden, gegen den nach Enthüllungen über rassistische und diskriminierende Botschaften gerichtlich vorgegangen wird, ist mit von der Partie.

Im Europaparlament bekommt Gerolf Annemans Gesellschaft von Patsy Vatlet und Filip De Man.

Dries Van Langenhove Jonas Roosens

Bei der N-VA müssen einige ihren Sitz räumen

Der große Verlierer dieser Wahlen ist die regionalistische N-VA. Sie ist zwar noch immer die größte Partei in Flandern, bekam aber herbe Schläge auf allen Ebenen, was sich im Verlust einiger bekannter Gesichter widerspiegelt.

Acht Sitze weniger im flämischen Parlament bedeutet unter anderem, dass Jelle Engelbosch ihren Sitz räumen muss.

Auch das bekannte N-VA-Gesicht, der ehemalige VRT-Journalist Siegfried Bracke muss seinen Platz räumen. Der ehemalige Vorsitzende der Kammer, der die Liste in Ostflandern vom letzten Platz aus „anschieben“ sollte, muss seinen Sitz dem Vorsitzenden der jungen N-VA, Tomas Roggeman übergeben. Die Gruppe sieht zudem Namen wie Johan Klaps, Koenraad Degroote und An Capoen aus der Kammer verschwinden.

Auch in Europa musste die N-VA einen Sitz an den Vlaams Belang abgeben. Der ehemalige VTM-Journalist Mark Demesmaeker, der vierte auf der Liste, hat es nicht geschafft. Der ehemalige flämische Ministerpräsident und bei diesen Wahlen der Spitzenkandidat für Europa auf der Liste der N-VA, Geert Bourgeois sowie Assita Kanko, die im Dezember von der französischsprachigen MR-Partei zur N-VA wechselte, sind die neuen europäischen Mandatsträger. Auch der ehelmalige Finanzminister und Journalist Johan van Overtveldt hat einen Sitz für die N-VA im neuen Europaparlament.

Geert Bourgeois BELGA

CD&V verliert Sitze und bekannte Gesichter

Die CD&V erlitt ebenfalls Rückschläge und muss Sitze abgeben, 8 Sitze im Flämischen Parlament und 6 Sitze in der Kammer.

Die flämischen Abgeordneten Dirk De Kort und Ward Kennes wurden nicht wiedergewählt. Der Verlust von Sitzen führte auch dazu, dass bekannte Leute wie Griet Smaers, Roel Deseyn und Sonja Becq die Kammer verlassen müssen. Auffallend: Walter De Donder, der Bürgermeister von Affligem und bekannt als Bürgermeister in der TV-Kinderserie "Samson und Gert", erhielt nicht genügend Stimmen für einen Sitz in der Kammer.

In Europa behält die christdemokratische Partei all ihre Sitze. Der ehemalige Vizepremier Kris Peeters zieht erstmals ins Europaparlament ein, ebenso Cindy Franssen. Ivo Belet wurde nicht wiedergewählt.

Kris Peeters

Die liberale Open VLD verliert bekannte Namen

Im Vergleich zu anderen Parteien war der Schaden für die liberale Open VLD noch begrenzt. Trotzdem führte der Verlust ihrer Stimmen zum Ausscheiden einiger bekannter Namen.

Jo De Ro und Rik Daems verschwinden aus dem flämischen Parlament, ebenso Francesco Vanderjeugd.

Die verlorenen Sitze , der Kammer bedeuten das Ausscheiden von Dirk Van Mechelen, Luk Van Biesen und Veli Yüksel, der erst vor kurzem von der CD&V zur den Liberalen wechselte. Die Sexologin und TV-Star Goedele Liekens darf in die Kammer einziehen.

Die Open VLD muss wie die N-VA einen Sitz im Europaparlament an den rechtsextremen Vlaams Belang abgeben. Lieve Wierinck verliert einen Sitz. Den bekommt die Newcomerin und Philosophin Alicia Gescinska.

Goedele Liekens

Ein bekanntes Gesicht bei Groen muss gehen

Obwohl Groen keine Plätze verloren hat, ist eine grüne Welle über Flandern ausgeblieben. Einige bekannte Gesichter mussten gar gehen.

So erhielt beispielsweise der ehemalige Vorsitzende von Groen und Fraktionsführer im Antwerpener Stadtrat, Wouter Van Besien, nicht genügend Stimmen für einen Sitz im flämischen Parlament. Der ehemalige Direktor von Natuurpunt Chris Steenwegen wurde hingegen in das flämische Parlament gewählt. Neu hinzugekommen sind auch Jessica Soors, die ehemalige Vilvoorde-Deradikalisierungsbeamtin und Staf Pelckmans.

In der Kammer (föderal) müssen Anne Dedry und Ingrid Pira gehen, die aus dem flämischen Parlament kamen. Der ehemalige Direktor der NGO 11.11.11. Bogdan Vanden Berghe wurde nicht auf der Antwerpener Parlamentsliste gewählt.

Auch in Europa hat Groen nicht das gewünschte Ergebnis erzielt. Groen behält einen Sitz, konnte aber keine weiteren hinzugewinnen. Die Spitzenkandidatin für Groen auf der belgischen Liste, die Transgender Petra De Sutter, darf mit rund 117.000 Vorzugsstimmen im Europäischen Parlament einziehen. Allerdings muss dafür der bekannte Grünen-Politiker Bart Staes nach 20 Jahren das EP verlassen.

Petra De Sutter

SP.A mit langen Gesichtern

Für die SP.A wurde die Wahl fast noch ein Kampf um die 5-Prozenthürde.

Ein neues Gesicht im flämischen Parlament ist Connor Rousseau, Spitzenkandidat in Ostflandern. Jinnih Beels schaffte es nicht.

In der Kammer verliert der SP.A-Bürgermeister in Vilvoorde Hans Bonte seinen Sitz.

Kathleen Van Brempt darf im EP bleiben.

Linke PVDA darf feiern

Die linke PVDA will den Parteivorsitzenden Peter Mertens um jeden Preis in der Kammer sehen. Und das gelingt ihr auch: Die gemeinsame Fraktion mit der französischsprachigen PTB holt 12 Sitze. Als Listenführer in der Provinz Antwerpen hat Mertens einen dieser Sitze.

Auch im flämischen Parlament feiert die PVDA ihr Debüt mit einer eigenen Fraktion. Die Gruppe erhält vier Sitze: für den Antwerpener Listenführer Jos D'haese und die Nummer zwei auf der Antwerpener Liste Lise Vandecasteele. Der Limburger Listenführer Kim De Witte und der ostflämische Listenführer Tom De Meester ziehen ebenfalls ins Parlament ein.

Mitte: Peter Mertens

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