Polizeikonflikt? Antwerpens Anti-Drogenteam zieht sich teilweise zurück

Das sogenannte Kali-Team, eine Einheit aus Beamten der belgischen Bundes- und der Antwerpener Lokalpolizei zur Bekämpfung der Drogenmaffia in der Hafenmetropole, hat sich plötzlich aufgelöst. Die Bundespolizisten haben diese Woche das eigens für diese Einheit gesichert eingerichtete Gebäude verlassen, meldet die flämische Tageszeitung De Morgen. Offenbar funktionierte die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Bereichen und mit der Stadt Antwerpen nicht besonders gut.

Laut De Morgen haben die Kali-Team-Beamten der belgischen Bundespolizei in den vergangenen Tagen ihre Schränke und Büros geleert und sind in ihre vorherigen Abteilungen zurückgekehrt. Dies, so das Blatt, ohne weitere Erklärungen. Antwerpens Bürgermeister Bart De Wever (N-VA), reagierte zähneknirschend auf diese Entwicklung.

Das Kali-Team war Anfang 2018 aus der Taufe gehoben worden und wurde seinerzeit mit einer großen Pressekonferenz vorgestellt. Doch offenbar fanden die Mitglieder dieser Sondereinheit aus 40 Bundes- und 35 Lokalpolizisten nie wirklich zueinander. Das größte Problem war einmal mehr das Nicht-Austauschen von Informationen und Erkenntnissen, was seit vielen Jahren schon auf polizeilicher Ebene in ganz Belgien gang und gäbe ist.

Nicht zuletzt haben Bürgermeister De Wever und der Teamchef der Bundespolizisten nie zueinander finden können, was in gegenseitigen Vorwürfen gipfelte. Man warf sich laut De Morgen zum Beispiel vor, dass die jeweils andere Seite ihre Arbeit nicht den Vorstellungen entsprechend mache.

Am vergangenen Monat führte die Antwerpener Lokalpolizei eine Razzia gegen eine Kokain-Schmugglerbande im Containerbereich des Hafens durch, wobei es zu Verhaftungen kam und zur Beschlagnahme einer umfassenden Drogenmenge. Doch eigentlich sind solche Razzien der Bundespolizei vorbehalten. Ob dies der Grund dafür ist, dass sich die Bundespolizisten aus der gemeinsamen Zentrale der Kali-Einheit zurückgezogen haben, kann nur gemutmaßt werden.

Der Korpschef der Bundespolizisten gab dazu an, dass von einem Rückzug seiner Leute aus dem Kali-Team „keine Rede“ sei, doch seine Beamten arbeiten besser „von dort aus, wo sie am besten ihre Arbeit machen können.“ Bürgermeister De Wever verlangt jetzt eine Erklärung von Seiten der scheidenden Bundesminister für Inneres, Jan Jambon (N-VA) und Justiz, Koen Geens (CD&V).