Ricardo Smit

Engie-Electrabel  schlägt Verlängerung der Laufzeit für drei belgische Kernreaktoren vor

Engie-CEO, Jean-Pierre Clamadieu, kann sich die Laufzeitverlängerung von bis zu drei belgischen Kernreaktoren vorstellen. Dies sagte er in mehreren Zeitungsinterviews. Der französische Energiekonzern Engie-Electrabel betreibt die belgischen Atomkraftwerke Doel und Tihange (Foto). Trotz des für 2025 beschlossenen Atomausstiegs sind Laufzeitverlängerungen für  Clamadieu also nicht ausgeschlossen. Er forderte die Politik auf, sich rasch nach einer Regierungsbildung Gedanken über die Zukunft der Energiepolitik in Belgien zu machen.

Nachdem Engie bereits in der Vergangenheit die Verlängerung der Laufzeiten der beiden neusten Reaktoren Tihange 3 et Doel 4 ins Spiel gebracht hatte, sprach Clamadieu nun erstmals vom Altreaktor Tihange 1 als möglichen dritten. Er erhoffe sich von der künftigen belgischen Regierung eine schnelle Entscheidung über die Energiezukunft des Landes.

Laut Clamadieu sei es wichtig, dass bis 2020 die Entscheidung über Laufzeitverlängerungen der belgischen Atommeiler über den beschlossenen Atomausstieg im Jahre 2025 hinaus feststehe, um Planungssicherheit zu haben. Er sei dabei überzeugt, dass die Atomkraft im belgischen Energiemix erhalten bleiben müsse, da sonst Versorgungsengpässe drohten.

Mikrorisse

Die sieben von der Engie-Tochter Electrabel betriebenen Atommeiler Belgiens haben insgesamt eine Nettoleistung 5.824 MW und können rund 50 Prozent der inländischen Stromnachfrage decken. Die ältesten sind seit 1975 am Netz und kamen immer wieder mit Sicherheitsmängeln in die Schlagzeilen. Besonders umstrittenen sind die Meiler Tihange 2 und Doel 3, in deren Reaktordruckbehältern sich Tausende Mikrorisse befinden.

Die auch nach den Wahlen vom vergangenen Sonntag größte Partei Belgiens, die flämischen Nationaldemokraten N-VA, forderte in der Vergangenheit immer wieder, zumindest zwei Meiler am Netz zu halten. Die N-VA hatte damit Bedenken aus der Wirtschaft aufgegriffen; ohne Atomstrom drohe Belgien der Blackout. Tatsächlich gibt es Studien, wonach Belgien 2025 ohne Atomstrom die Versorgung nicht gewährleisten kann. Das führt immer wieder zu Diskussionen. Man stehe bereit, werden Vertreter von Engie nicht müde zu betonen.

Bedingungen für Laufzeitverlängerung

Allerdings knüpft Engie-Electrabel mögliche Laufzeitverlängerungen an Bedingungen. Die vor vier Jahren genehmigte Laufzeitverlängerung der Meiler Doel 1 und 2 verursacht nämlich derzeit vor allem Kosten für den Betreiber der belgischen Akw. Das teilte das Unternehmen diese Woche anlässlich der Veröffentlichung seiner Jahres-Bilanz mit; angedeutet hatte sich dies schon bei der Bilanz-Pressekonferenz des französischen Mutterkonzerns Engie Anfang Mai. Electrabel hat 2018 aufgrund des langen und unvorhergesehenen Ausfalls mehrerer Meiler rote Zahlen geschrieben. Die sieben belgischen Meiler seien nur zu 52 Prozent verfügbar gewesen. Wegen etlicher Reparaturarbeiten, welche die belgische Atomaufsichtsbehörde Fanc von Engie-Electrabel verlangt hatte, waren quasi alle Meiler zeitweise heruntergefahren. Man habe keinen Strom produziert, die Fixkosten aber zahlen müssen. Das schlage sich dramatisch auf die Bilanz nieder, heißt es.

Das Geschäftsjahr endet mit einem Verlust von 417 Millionen Euro. Das führt Engie-Electrabel neben den Ausfällen aufgrund akuter Reparaturarbeiten vor allem auf den Wertverlust von Doel 1 und 2 zurück. Die Reaktoren sind seit 1975 am Netz und hätten 2015 stillgelegt werden sollen. Weil es in Belgien zu dem Zeitpunkt noch keine energiepolitischen Überlegungen darüber gegeben hatte, wie das Land ohne Kernenergie mit ausreichend Strom versorgt werden könnte, wurde die Laufzeitverlängerung um zehn Jahre per Gesetz beschlossen.

Engie könne sich eine weitere Laufzeitverlängerung höchstens unter bestimmten Konditionen vorstellen, etwa, wenn man „uns einen Minimum-Festpreis für den Strom zusagt wie bei der Windenergie“. Es dürfe Engie nicht mehr kosten, die Laufzeiten zu verlängern, als es dem Unternehmen einbringt. (Quelle: Aachener Nachrichten)

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