Engpässe bei bestimmten Medikamenten in Apotheken halten an

Seit einiger Zeit soll eine gesetzliche Regelung dafür sorgen, dass die Bevorratung der Apotheken in Belgien mit Medikamenten regelt und verbessern soll. Trotzdem sind derzeit in unserem Land etwa 400 Medikamente nicht verfügbar oder ausreichend vorrätig, so der Allgemeine Pharmazeutische Verband dazu. Die Gründe dafür seien vielfältig, hieß es dazu, doch Patienten müssen sich (noch) keine Sorgen zu machen.

Derzeit sind genau 418 Medikamente in den belgischen Apotheken nicht lieferbar und kaum noch vorrätig, wie die Webseite der belgischen Bundesagentur für Medikamente und Gesundheitsprodukte (FAGG) vermeldet.

Neu ist eine solche Situation wohl nicht, doch eine schnelle Lösung des Problems bietet sich derzeit nicht wirklich, so Lieven Zwaenepoel vom Allgemeinen Pharmazeutischen Verband dazu gegenüber VRT NWS: „Einige Medikamente sind nun mal nicht so einfach zu produzieren. Das ist z.B. der Fall bei einigen Impfstoffen, in die die Hersteller viel Zeit investieren müssen. Die Produktion von Medikamenten verläuft zudem entsprechend strengen Qualitätsanforderungen. Es kann schon mal passieren, dass ein Medikament abgelehnt wird, weil es während der Produktion zu einem Fehler kam. Auch dies sorgt für Engpässe bei Apothekern.“ 

Die Produktion von Medikamenten verläuft zudem entsprechend strengen Qualitätsanforderungen. Es kann schon mal passieren, dass ein Medikament abgelehnt wird, weil es während der Produktion zu einem Fehler kam. Auch dies sorgt für Engpässe bei Apothekern.“ 

Lieven Zwaenepoel, Allgemeiner Pharmazeutischer Verband

Doch Lieferengpässe für Medikamente können auch kommerzielle Gründe haben, z.B. dann, wenn ein Hersteller zuerst Länder beliefert, in denen er einen besseren Preis als in Belgien erzielen kann: „Dann sind Patienten und Apotheker, die für niedrigere Preise gekämpft haben, die Düpierten.“

Ein im vergangenen Monat in Kraft getretenes Gesetz verbietet Großhändlern, Medikamente, die für den belgischen Markt bestimmt sind, ins Ausland zu exportieren, doch ob dieses Gesetz schon Einfluss hat, ist noch unklar.

Ein belgisches Gesetz wird Multinationals nicht davon abhalten, ihre Medikamente zuerst in jene Länder zu liefern, in denen sie bessere Preise erzielen können.“

Lieven Zwaenepoel, Allgemeiner Pharmazeutischer Verband

Die hiesigen Apothekerverbände sind der Ansicht, dass dieses Problem nur auf europäischer Ebene zu lösen ist, wie Lieven Zwanepoel andeutet: „Ein belgisches Gesetz wird Multinationals nicht davon abhalten, ihre Medikamente zuerst in jene Länder zu liefern, in denen sie bessere Preise erzielen können. Will man dieses Problem in den Griff bekommen, dann muss man sich mit anderen Ländern an einen Tisch setzen.“

Doch ein schwerwiegendes Problem sind die Engpässe bei so vielen Medikamenten in Belgien wohl noch nicht, so Zwaenepoel. In 95 % aller Fälle würde den Patienten ein alternatives Medikament helfen, dass die gleiche Wirkung habe und vielleicht nur in einer anderen Verpackung vorliege oder von einem anderen Hersteller komme. Problematisch ist diese Sache allerdings für rund 5 % der Patienten und zwar dann, wenn sich bei einer bestimmten Krankheit keine gute Alternative biete und im schlimmsten Fall überhaupt keine Ausweichmöglichkeit. Dann können die entsprechenden Mittel zwar aus dem Ausland bestellt werden, sind dann aber unter Umständen teurer. 

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