Foto: Andreas Kockartz

Brügge: Das Gruuthusemuseum ist nach 5 Jahren Renovierung wieder geöffnet

Seit dem 25. Mai ist eines der schönsten Bauwerke Brügges nach einer gründlichen Überholung wieder geöffnet. Das Gruuthusemuseum im Stadtpalast der Herren von Gruuthuse erzählt viel über die Geschehnisse und die Geheimnisse der Stadt. Ihre reiche Geschichte findet sich u.a. wieder in historischen Wandteppichen, gotischen Glasfenstern, Drucken, Gemälden und Skulpturen, Porzellan- und Silberarbeiten sowie historischen Mode-Exponaten. Das Haus hat sich im Zuge der Renovierung zudem auf Basis der reichhaltigen Sammlung ausstellungstechnisch völlig neu ausgerichtet und macht damit einen Besuch zum Totalerlebnis. 

Das Gruuthusemuseum in seiner aktuellen Form nach der 5 Jahre währenden Renovierung widmet sich drei entscheidende Perioden aus der reichen Brügger Geschichte. Die burgundische Blütezeit der Stadt, die etwas weniger bekannten 17. und 18. Jahrhunderte und die "Neuerfindung" von Brügge im 19. Jahrhundert. Diese drei Perioden kommen in mehr als 600 Exponaten zum Tragen. Blickfang bleibt die authentische Gebetskapelle aus dem späten 15. Jahrhundert, die die Verbindung zwischen dem Palast und der Liebfrauenkirche mit Ausblick auf den gotischen Chor der Kirche bildet. Neu ist im Innenhof ein modernes aber attraktiv gestaltetes Empfangsgebäude für die Besucher (Foto oben).

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Foto: Andreas Kockartz

Vor fast 600 Jahren ließ der Vater von Lodewijk van Gruuthuse (1427-1492) seinen Wohnsitz zwischen dem Dijver und der Liebfrauenkirche von Brügge erbauen. Dessen Sohn, der den Gebäudekomplex übernahm, entwickelte sich zum freigiebigen Mäzen für Kund und Kultur, aber auch für die Wirtschaft und die Gilden Brügges. Reich geworden ist Van Gruuthuse u.a. als gewiefter Geschäftsmann, der sich das Monopol für bestimmte Basiszutaten für Bier gesichert hatte, und als besonders verhandlungsfähiger Diplomat in höchsten Kreisen.

Lodewijk van Gruuthuse sammelte speziell Schriften, Bücher und Manuskripte, besonders solche, die reich verziert und bebildert waren (Foto unten). Die meisten dieser Schriften sind heute über Belgien, Frankreich und die Niederlande verteilt. Einige von ihnen befinden sich in Brüssel, in den Archiven der Staatsbibliothek.

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Foto: Andreas Kockartz

Im Zuge der gründlichen Renovierung, die nicht nur architektonisch und strukturell durchgeführt wurde, hat sich das Gruuthusemuseum neu orientiert und auf Basis der vorhandenen reichhaltigen Sammlungen ein völlig neues Szenarium aufgebaut. Renovierung und Neuausrichtung wurden von der Stadt Brügge gemeinsam mit dem Königlichen Institut für Kunstpatrimonium realisiert und die entstandenen Kosten wurden über ein Crowdfunding gedeckt, dass die „Freunde der Brügger Museen“ initiierten, wobei auch namhafte Unternehmen tief in ihre Taschen griffen.

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Foto: Andreas Kockartz
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Dem Besucher zeigt sich heute ein klassisches Museum, das sich mit seiner historischen Sammlung in einem phantastischen geschichtsträchtigen Bauwerk völlig modern und zeitgenössisch präsentiert. In jedem Raum, den man im Gruuthusemuseum betritt, eröffnet sich eine neue, eine andere Welt. Immer wieder überraschen andere Aspekte aus den drei obengenannten Schwerpunkten den Betrachter. Seien es neuaufgebaute Mosaikböden oder aufgefrischte und reich verzierte hölzerne Deckenkonstruktionen, oder aber die ausgestellten Stücke in ihrer Präsentation. Unterstützt wird das Ganze von zahlreichen Touch-Screen-Bildschirmen, die es spielerisch erlauben, das Gesehene zu intensivieren.

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Foto: Andreas Kockartz
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Die permanente Ausstellung im Gruuthusemuseum zeigt wirklich alles, was aus den beschriebenen Jahrhunderten für Brügge von Belang ist: Gemälde, Wandteppiche (auch solche aus bemalten Leder), Skulpturen und Miniaturen, Gewänder und zeitgenössische Modeartikel, Luxusgüter und Verzierungen, viele wertvolle und prächtige Schriften und Bücher, früheste Landkarten und ihre Druckplatten aus Kupfer, Gegenstände aller Art, die die Gilden der Stadt Brügge als Handelsstandort unterstreichen, Musikinstrumente, Münzen, Siegel und Stempel und vieles mehr.

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Foto: Andreas Kockartz
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Man sollte viel Zeit und Muße mitbringen, wenn man das Gruuthusemuseum besucht. Auch und gerade um die Gelegenheit beim Schopfe zu greifen, sich neben dem eigentlichen Bauwerk und dem prägenden Sammlungsstücken auch den kleinen Nebensächlichkeiten widmen zu können. Gerade dies macht einen Teil der Besonderheit dieser Einrichtung aus. Alleine die Kombination der Farben der Wände und der teilweise neu installierten Kachelböden im Zusammenspiel mit künstlicher und natürlicher Beleuchtung bietet oftmals wunderbare Überraschungen und Lichtspiele. Zudem versetzen selbst in den Treppenhäusern und den Fluren Figuren und Holzarbeiten den  Betrachter in Erstaunen. Nicht zuletzt sollte man nicht vergessen, auch mal aus den diversen Fenstern zu schauen, um einmalige Blicke in die Umgebung des Museums bzw. in andere Gebäude und in die Innenhöfe werfen zu können.

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Ein Besuch im neuen alten Gruuthusemuseum in Brügge ist in jeder Hinsicht ein Totalerlebnis und er ist wunderbar kombinierbar mit umliegenden Gebäuden und Museen, die mit einem einzigen Museumspass zu besuchen sind. Das wären in unmittelbarer Nähe die Liebfrauenkirche mit ihrem von der „Madonna mit Kind“ von Michelangelo geprägten Altar, das Arentshuis mit Wechselausstellungen und eher zeitgenössischer Kunst und das Groeningemuseum mit einer einmaligen Sammlung von Werken der „Flämischen Primitiven“, worunter auch solche von Jan van Eyck, Hans Memling, Gerard David und Hugo van der Goes sind.

Der entsprechende Museumspass ist in allen genannten Einrichtungen erhältlich und gültig. Näheres dazu findet man auf der Webseite www.museabrugge.be. Das Gruuthusemuseum befindet sich am Dijver 17C und alle anderen erwähnten Einrichtungen sind in unmittelbarer Nähe angesiedelt. Kleiner Tipp: Von der historischen Gebetskapelle im Gruuthusemuseum aus bietet sich ein wunderbarer Blick in die Liebfrauenkirche. Und schon die Gebetskapelle an sich ist etwas ganz Besonderes… (erstes Foto unten)

Foto: Andreas Kockartz
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