Nach dem Vlaams Belang-Wahlsieg: Der ganz normale Rassismus?

Die Stadt Aalst (Foto) in der Provinz Ostflandern ist durch eine Reihe von rassistischen Briefen aufgeschreckt worden, die bei Einwohnern ausländischer Herkunft in Briefkästen eingeworfen wurden. Darin heißt es, dass sie nach dem Wahlsieg des Vlaams Belang definitiv nicht mehr willkommen sind. Die Polizei von Aalst hat Ermittlungen aufgenommen.

Neben der Lokalpolizei von Aalst hat auch das belgische Zentrum für Chancengleichheit eine Untersuchung dieses Vorfalls in die Wege geleitet. In dem Schreiben, dass voll mit rassistischen Hasstiraden gespickt ist, heißt es, dass die Einwanderer oder Einwohner ausländischer Herkunft, jetzt nach dem Wahlsieg der rechtsradikalen Partei Vlaams Belang endgültig in der Stadt nicht mehr willkommen seien.

Die Vertreter der sozialistischen SP.A und den Grünen von Groen riefen Bürgermeister Christoph D’Haese (N-VA) dazu auf, Schritte einzuleiten. Dieser befahl der Lokalpolizei von Aalst umgehend, entsprechende Ermittlungen aufzunehmen. Offenbar haben die Ermittler bereits einen Verdächtigen im Visier. Die Lokalsektion des Vlaams Belang in Aalst distanzierte sich ausdrücklich von diesem rassistischen Schreiben.

Dieser Vorfall ist nur einer von gleich mehreren bedenklichen Vorgängen in Sachen Rassismus seit den Wahlen vom 26. März in Flandern. Dazu tragen auch Politiker des Vlaams Belang selbst bei. Die inzwischen verbotene rechtsradikale Studentenvereinigung „Schild & Vrienden“, zu der auch der für Vlaams Belang angetretene Dries Van Langenhove gehörte, hat z.B. einen Blogger mit Vor- und Zunamen an den Pranger gestellt, der sich gegen rechts engagierte. Dieser wird seitdem bedroht und eingeschüchtert.

Andere Vlaams Belang-Politiker äußerten Bedenken über Homosexuelle. Aufgrund solcher Vorgänge verhalten sich die flämischen Nationaldemokraten N-VA inzwischen zurückhaltend gegenüber den Rechtsradikalen in Sachen Regierungskonsultationen auf flämischer Landesebene.  Inzwischen reagierte der flämische TV-Moderator Steven Van Herrewege aus Aalst mit einem nach eigenen Angaben "liebevollen Brief" auf das rassistische Schreiben an die Betroffenen. 

Van Herrewege ist Mitinitiator der Bürgerinitiative "over-morgen" ("Über-Morgen"), die sich zum Ziel gesetzt hat, aus Aalst eine liebenswürdigere Stadt zu machen. In diesem über die sozialen Medien verbreiteten Brief heißt es u.a.: "In Aalst ist jeder willkommen. Wenn jemand sagt, dass du "ein Biest" bist, dann ist das nicht das, wofür unser Land und Aalst stehen."

 

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