Siegfried Bracke (N-VA) denkt nicht, dass seine Partei mit Vlaams Belang koalieren wird

Der scheidende Vorsitzende der Abgeordnetenkammer des belgischen Bundesparlaments und ehemalige VRT-Journalist Siegfried Bracke (Foto) geht nicht davon aus, dass seine Partei, die flämischen Nationaldemokraten N-VA, gemeinsam mit dem rechtsradikalen Vlaams Belang regieren wird. In der VRT-Talksendung „De Zevende Dag“ („Der siebte Tag“) sagte Bracke am Sonntag, dass die Unterschiede zwischen beiden Parteien doch zu groß seien.

Laut Siegfried Bracke bestehen zwischen der N-VA und Vlaams Belang zu viele deutliche inhaltliche Unterschiede. Für Bracke ist z.B. die islamfeindliche Haltung des VB-Spitzenpolitikers Filip Dewinter mit der Haltung der N-VA nicht vereinbar. Doch auch und gerade im wirtschaftlichen Bereich liegen die Programme beider Parteien zu weit auseinander, so der scheidende Parlamentsvorsitzende am Sonntagmittag in „De Zevende Dag“: „Wir würden uns in den gleichen Punkten streiten, wie mit der PS.“

Bracke, der übrigens im Laufe der vergangenen Woche ankündigte, sich aus der Politik zurückziehen zu wollen, auch aus der Kommunalpolitik in Gent (er hatte bei den Parlamentswahlen am 26. Mai seinen Sitz im Parlament verloren), ist allerdings der Ansicht, dass man Gespräche mit der rechtsradikalen Partei führen müsse, auch weil sie nach ihrem Wahlsieg am 26. Mai einen nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung vertritt. 

Irgendwann wird der Konföderalismus kommen. Ich weiß zwar nicht wann, aber das wird kommen.“

Siegfried Bracke (N-VA)

Vom sogenannten „cordon sanitaire“, dem demokratischen Isolierungsgürtel um den Vlaams Belang, hatte Bracke nie etwas gehalten. Aber, „in meinen Augen ist der Vlaams Belang einfach eine Anti-Islam-Partei, was die N-VA nicht ist. Für uns ist Religion Privatsache. Auf keinen Fall dürfen Religiöse bestimmen, was in unserer Gesellschaft passiert.“

Bracke, der übrigens am Sonntag auch zu Gast bei unseren Kollegen des frankophonen Privatsenders RTL-TVI in der Talksendung "C'est pas tous les jours dimanche" („Nicht jeder Tag ist ein Sonntag“) war, wiederholte auch den Standpunkt der N-VA bezüglich eines konföderalen Systems für Belgien: „Der Konföderalismus ist die einzige Art und Weise, die Probleme der unterschiedlichen Auffassungen zwischen dem Norden und dem Süden des Landes zu lösen. (…) Irgendwann wird der Konföderalismus kommen. Ich weiß zwar nicht wann, aber das wird kommen.“  

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