Foto: Andreas Kockartz

"Was druckst du?" oder "Drei Jahrhunderte grafische Industrie" im IM in Gent

Das Industriemuseum von Gent (heute IM, früher MIAT) hat kürzlich seine Druckereiabteilung runderneuert und mit der neuen Dauerausstellung „Drei Jahrhunderte grafische Industrie“ ein gelungenes Konzept entwickelt. Dabei kann der Besucher interaktiv durch die Geschichte von Druck und Grafik von 1750 bis heute wandern. Zu sehen gibt es alles, was diesen „Berufszweig“ betrifft: Druckbuchstaben aus Blei, bunte Apple-Computer, Druckerpressen, Kupferplatten…

Wer heute seine Zeitung aufschlägt, wem tagtäglich Werbeplakate im Straßenbild ins Auge fallen, wer einkaufen geht und sich von Produkten anziehen lässt, der denkt oft nicht daran, dass alles Geschriebene mit Text und Illustration auf einen einzigen Industriesektor zurückzuführen ist: Grafik und Druck. Das Genter Industriemuseum (IM) hat jetzt seine Sammlung und seine Archive aus diesem Bereich entstaubt, geordnet und neu aufgestellt und mit diesem frischen Szenario ein Konzept entwickelt, dass auf wunderbare Weise eine klassische Dauerausstellung zum modernen Erlebnis werden lässt.

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Foto: Andreas Kockartz

„Drei Jahrhunderte grafische Industrie“ durchstreift diesen Bereich in seiner revolutionären Entwicklung von 1750 bis heute und lässt nichts aus. Alles Mögliche ist dort zu sehen: Historische Fotodrucke, handbetriebene Druckerpressen aus der Frühzeit dieser Industrie, klitzekleine bleierne Druckbuchstaben und Stempel, riesige Druckerpressen, Schreibmaschinen und Computer, Offsetgeräte und imposante Repro-Fotoapparate und vieles mehr.

Viele Dinge sind lediglich zu betrachten, andere jedoch laden ein, Hand anzulegen. So kann man, wenn man möchte, während seines Besuches seine eigene kleine Zeitung zusammenstellen. Touchscreen-Monitore geben zusätzlich und spielerisch weitere Informationen.

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Foto: Andreas Kockartz

Zu den zumeist betriebsbereiten Ausstellungsstücken, die von ehrenamtlichen Mitarbeitern - zumeist ehemalige Drucker - gewartet und mitunter auch erklärt werden gehört auch eine „Heidelberger Druckmaschine“ (Foto unten) aus dem Jahr 1958. Das IM (und nicht nur das Museum) bezeichnen diesen Maschinentyp als eine Ikone der Druckereigeschichte, denn auch in Belgien standen solche Maschinen in den meisten Druckereibetrieben…

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Foto: Andreas Kockartz

Spannend sind auch Tonaufnahmen, die die Betriebsgeräusche von verschiedensten Maschinen auf Knopfdruck hören lassen und überraschend ist manchmal auch das eine oder andere technische Gerät, das sich als alt bzw. veraltet erweist, obschon es noch gar nicht so lang her ist, dass man es noch in Funktion erlebt hat. Dazu gehört z.B. ein blauer Apple-Computer (Foto unten), der in seiner Zeit mit seinem geschwungenen Design Preise abstaubte. Heute, in Zeiten von Flachbildschirmen, ist ein solcher Apple ein optischer Störfaktor, doch dass er schon unter Glas im Museum ausgestellt wird, ist schon „ein Ding“. Aber, auch damit wurden grafische Projekte und Produkte entwickelt und entworfen und deshalb gehört so ein Apple auch ins Museum …

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Foto: Andreas Kockartz

Das Industriemuseum Gent (IM) ist mit der runderneuerten Druckerei-Dauerausstellung ein gelungenes Projekt zwischen einem klassischen Museumskonzept und einer zeitgenössischen interaktiven Herangehensweise gelungen. Hier ist glücklicherweise der Fokus nicht zu sehr auf eine moderne interaktive Entwicklung gelegt worden, in der man lange vor Videofilmen stehen muss, um Geschichten und Geschichte zu erfahren, wie in der zweiten IM-Dauerausstellung zur Textilgeschichte (das Gebäude ist eine alte Textilfabrik). Schade ist auch, dass die wunderbare Sammlung an alltäglichen industriell gefertigten Gegenständen im Archiv des Museums verschwunden ist. Doch alles in allem ist ein Besuch des IM in Gent absolut empfehlenswert.

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Foto: Andreas Kockartz

Info: Industriemuseum IM, Minnemeers 10, 9000 Gent, www.industriemuseum.be

Das Museum ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln bequem zu erreichen. Zu Fuß aus Richtung Bahnhof Gent-Dampoort ist eine Möglichkeit, doch die Busse 3 (Haltestelle Steendam), 38, 39, 55, 57 und 58 (Haltestelle Sint-Jacobs) und die Tram 4 (Haltestelle Gent-Sluizeken) halten ganz in der Nähe. Von dort aus ist man übrigens zu Fuß über die Baudelostraat rasch am Vrijdagmarkt und damit im historischem Zentrum von Gent. Kleiner Tipp am Rande: Die Aussicht auf das Genter Stadtzentrum vom obersten Stockwerk des IM ist legendär. Sie bietet einen Blick auf die wichtigsten Kirchen und Gebäude (Foto unten). 

Foto: Andreas Kockartz
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