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Schaarbeek: Wenn die Straße eine Rennstrecke ist

Zum fünften Mal innerhalb von drei Wochen wurde in Schaarbeek ein Fußgänger angefahren. Ein 14-jähriges Mädchen ist am gestrigen Donnerstag an einer Kreuzung schwer verletzt worden, der Autofahrer beging Fahrerflucht. Auch die bisherigen Opfer waren - mit Ausnahme von einer Person - Kinder im Alter von sechzehn, sechs und knapp drei Jahren.

Die Anwohner sind empört. "Wir fragen seit Jahren nach einer Ampel oder einer Blitzkamera", bezeugt Zaidi Faouzi (53) in der Zeitung De Standaard, "aber unsere Sicherheit zählt offenbar nicht."

Im Brüsseler Stadtteil Schaarbeek/Schaerbeek wurde kürzlich überall die Zone 30 eingeführt, aber 70 Prozent der Fahrer hält sich nicht daran. Im vergangenen Jahr hat die örtliche Polizei nur elf Knöllchen wegen Geschwindigkeitsübertretungen (pro 100 Einwohner) ausgestellt. Zum Vergleich: In Antwerpen waren es 46, in Gent sogar 99, "Straffreiheit ist hier der Kern des Problems", so das lokale Bürgerkollektiv 1030/0.

An der Kreuzung des Helmetsesteenwegs mit der Waelhemstraat in Schaerbeekn wurde gegen 8 Uhr am Donnerstagmorgen ein 14-jähriges Mädchen angefahren und schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Ihr Zustand war am Abend stabil. Der Fahrer beging Fahrerflucht. Ein Verdächtiger wurde festgenommen, ist inzwischen aber wieder unter Auflagen freigelassen worden. Er ist übrigens schon einmal wegen eines Unfalls mit Fahrerflucht verurteilt worden und hat keinen Führerschein mehr.

Heute rasen dort erneut ungehindert Autos über die Kreuzung, so als wäre nichts passiert. Warum greift niemand ein?, fragt sich eine Anwohnerin, die direkt an der Kreuzung wohnt. Trotz Zone 30 rast knapp einer von sechs Autofahrern mit über 50 Stundenkilometern auf die Kreuzung zu und vier Prozent fährt sogar über 60 km/h. Das geht aus Zahlen der Polizei hervor.

Hier wird weder geblitzt, noch ist eine Ampel oder ein Stoppschild zu sehen. Die Anwohner bitten schon seit Jahren um solche Maßnahmen.

Der Fußgängerüberweg direkt hinter der Kurve, an dem gestern das 14-jährige Mädchen von einem Auto angefahren wurde, ist für Autofahrer erst im letzten Moment sichtbar. Doch diese Kreuzung in Schaarbeek ist nur eine von vielen dort, die sehr gefährlich sind. In den letzten drei Wochen wurden hier fünf Fußgänger angefahren, die meisten von ihnen erlitten leichte Verletzungen. Alle bis auf eines der Opfer waren Kinder: 16, 14, 6 und knapp 3 Jahre alt, schreibt De Standaard.

Schaarbeek hat ein Verkehrssicherheitsproblem"

„Schaerbeek hat ein enorm großes Problem mit der Verkehrssicherheit", sagt Pieter Fannes vom Burgercollectief 1030/0. Das wurde nach dem tödlichen Unfall der 28-jährigen Journalistin von De Standaard, Stephanie Verbraekel, in der Gemeinde gegründet. Ziel der Vereinigung ist, die Zahl der Opfer in der Gemeinde auf Null zu reduzieren. Doch bis dahin, ist noch ein weiter Weg.

Noch immer sind die schwachen Straßennutzer sehr gefährdet in dem Viertel.

Straffreiheit ist das Problem“

Laut Pieter Fannes ist die Straffreiheit der Kern des Problems. Die 30 km/h-Zone ist eine gute Sache, aber sie hat wenig Wirkung, wenn keine Strafen bei Verstößen folgen. Dabei weist Fannes auf die vergleichsweise niedrige Zahl der Knöllchen hin, die die Polizei pro hundert Einwohner ausstellt. Das sind gerade einmal 11. In der gesamten Region Brüssel wurden 18 pro hundert Einwohner ausgeschrieben, in Antwerpen 46, in Gent 99.

Auch in Bezug auf die Infrastruktur hat die Gemeinde ein Problem. Diese Kreuzung wurde erst vor zwei Jahren neu gestaltet, "aber sie ist nicht sicherer geworden", wird Fannes in De Standaard zitiert. Die Entscheidung für sicherere Straßen gehe normalerweise mit Maßnahmen einher wie engere Straßen und mehr Ampeln. Doch die Politiker wollen diese Maßnahmen nicht durchziehen. Und deshalb würden hier Kreuzungen so angelegt, dass Autos einfach über sie hinwegrasen könnten.

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