Die Sint-Janshuismolen in Brügge, Foto: Tristan Schmurr

Traditionelles Handwerk und Denkmalschutz: 30 Müller schließen ihre Ausbildung ab

Am vergangenen Wochenende haben rund 30 flämische Müller und Mühlenfachkräfte ihre Ausbildung abschließen können. Sie haben den Auftrag, die rund 250 Wind- und Wassermühlen, die in Flandern noch betriebsfähig sind, in Gang zu halten, bzw. drehen zu lassen. Nur so kann dieser Bereich des baulichen Kulturerbes auf Dauer erhalten bleiben. 

Wer in Flandern Fachkraft für das Mühlenwesen werden möchte, der muss eine intensive Ausbildung abschließen. Die entsprechenden Kurde beinhalten viel Theorie und mindestens 100 Stunden Praktikum, wozu wiederum mindestens 25 Stunden konkretes Mühlen und Mahlen in einer Wind- oder/und Wassermühle gehören.

Das bedeutet, dass die angehenden Müller nicht nur alles über diese traditionelle Technik wissen müssen, sondern auch schlicht und einfach Korn mahlen können müssen. 30 Müller haben die entsprechende Ausbildung jetzt abgeschlossen. Zur Überreichung der Diplome trafen sich die neuen Müller und ihre Ausbilder der Vereinigung „vzw. Molenforum“ am Sonntag in Kortemark in Westflandern (Foto unten).

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Interessant dabei ist, dass alle diese neuen flämischen Müller Ehrenamtliche sind, denn der Berufszweig Müller ist auch hier in Flandern beinahe ausgestorben. Doch, wie Lieven Denewet von der „vzw. Molenforum“ gegenüber VRT NWS sagte, sei dies der einzige Weg, eine Alternative zum früheren Müllerberuf zu haben: „Mein Vater war noch ein echter  Berufsmüller, doch die gibt es heute kaum noch. Die Leute, die hier ihre Ausbildung abgeschlossen haben, sind die einzige Alternative zum Beruf des Müllers. Die Kandidaten kommen von überall in Flandern, von De Panne bis Maaseik.“

Mithilfe der neuen Müller können die rund 250 Mühlen, die es in Flandern noch gibt, erhalten und betrieben werden. Um diese Mühlen, stehe es nicht schlecht, so Denewet weiter: „Westflandern ist eine Windmühlen-Provinz. In den anderen Provinzen gibt es wesentlich mehr Wassermühlen. Die meisten noch existierenden Mühlen können heute wieder mahlen.“

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Das Mühlenwesen durchlebt gerade offensichtlich eine Art Revival, denn das Interesse an dieser Ausbildung steigt, auch wenn die Kandidaten wissen, dass man damit kein Geld verdienen kann. Faszinierend ist für die neuen Müller in erster Linie das Erhalten von historischer Technik, einer Technik, die sich ausschließlich auf die Kraft von Wind und Wasser berufen kann. Schön dabei ist, dass sich nur ältere Menschen, die ein Hobby nach der Rente suchen, dabei sind, sondern auch viele junge Leute, die sich für dieses alte historische und technische Handwerk begeistern.  

Die "Oostmolen" in Gistel, Foto: Erfgoed Vlaanderen

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