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Flixtrain plant ein Billig-Zug-Angebot auf der Strecke Brüssel-Paris

Flixtrain, die Bahnfiliale des deutschen Billig-Fernbus-Anbieters Flixbus, plant offenbar Züge zwischen Brüssel und Paris einzusetzen. Dies ist zumindest aus Dokumenten ersichtlich, die Flixtrain beim französischen Bahnregulator Arafer eingereicht hat. Jetzt stellt sich die Frage, ob Flixtrain zu einer ernstzunehmenden Billig-Alternative für Thalys auf dieser stark frequentierten Verbindung werden kann.

Laut den Flixtrain-Dokumenten für Arafer, will das deutsche Verkehrsunternehmen bereits ab 2021 auf der Strecke Brüssel-Paris aktiv werden. Die belgisch-französische Gruppe Thalys bedient täglich etwa halbstündlich ohne Zwischenhalt die Strecke zwischen Paris und Brüssel mit ihren Hochgeschwindigkeitszügen. Sie bietet damit derzeit die am dichtesten getaktete und schnellste Direktverbindung zwischen zwei Hauptstädten in Europa.

Seit 2016 betreibt Thalys mit IZY überdies eine eigene Billiglinie auf dieser Verbindung, die auch teilweise über die Hochgeschwindigkeitsstrecke fährt. Hier will Flixtrain offenbar ab 2021 angreifen, denn ab dann ist auch der Fernreiseverkehr innerhalb der Europäischen Union liberalisiert. Das bedeutet, dass sich jeder Anbieter in einem EU-Mitgliedsland für Bahnverbindungen auf nationaler und internationaler Ebene bewerben kann.

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Nicolas Maeterlinck

Nicht schneller, aber billiger

Flixtrain will mit sieben Zügen pro Tag in jeder Richtung zwischen Brüssel-Nord und Paris-Nord unterwegs sein und pro Zug zwischen 500 und 1.000 Plätzen (je nach Nachfrage) anbieten. Während Thalys auf dem Weg von Brüssel Süd/Midi nach Paris Nord ohne Zwischenhalt fährt, will Flixtrain in Paris-Saint-Quentin einen Stopp einlegen. Flixtrain plant, mit klassischen Intercity-Zügen zu fahren, sprich mit von Lokomotiven gezogenen Reisezugwagen.

Das bedeutet wohl, dass diese Züge die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Brüssel und Paris nicht nehmen kann. Damit kann Flixtrain die Fahrzeit des Thalys von 1 Stunde und 20 Minuten schon nicht unterbieten. Das deutsche Low-Cost-Unternehmen will diesen Markt offenbar lediglich über den Fahrpreis mit besonders scharf kalkulierten Preisen erobern. Zwei Probleme deuten sich an: Zum einen müssen die Flixtrains sowohl den belgischen, als auch den französischen (und europaweit geltenden) Sicherheitsnormen entsprechen.

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Kann man damit überhaupt Geld verdienen?

Zum anderen stellt sich die Frage, ob auf dieser schon jetzt stark frequentierten Verbindung auch auf der klassischen Strecke noch Platz ist für einen Anbieter, wie Flixtrain. Schon die Nord-Süd-Verbindung in Brüssel, die durch einen Tunnel unter dem Stadtzentrum verläuft, ist bereits derart „gesättigt“, dass jeder neue Zug ein Zug zu viel ist, was bei jeder „normalen“ Verspätung schon heute zu weitreichenden Folgeproblemen führt.

Ohne Zweifel gibt es eine Nachfrage nach billigen Bahnverbindungen zwischen Brüssel und Paris, denn auch die Billigbusse von Flixtrain, die hier schon längst unterwegs sind, stehen im Stau und sind nicht wirklich schnell. Und nicht zuletzt muss Flixtrain auch in Belgien und in Frankreich den Infrastruktur-Dienstleistern der staatlichen Bahngesellschaften NMBS/SNCB und SNCF Trassenpreise zahlen. On sich dies alles wirklich für Flixtrain/Flixbus lohnt? Schließlich ist dies ein kommerzielles Unternehmen, dass Geld verdienen will… 

Foto: Andreas Kockartz