Belgiens Brauereien befürchten einen Flaschen- und Leergut-Engpass

Die belgischen Bierbrauer beobachten in den letzten Tagen und Wochen ihren Flaschenbestand sehr genau, denn sie befürchten einen Engpass mit ihrem Leergut. Aus diesem Grunde rufen sie ihre Kunden und die Verbraucher dazu auf, ihr Leergut rascher in den Handel zurück zu bringen. Vor allem Brauereien, die viel exportieren, sind auf einen großen Bestand an Leergut angewiesen.

Besonders betroffen von akutem Leergutmangel sind die beiden Brauereien Roman in Oudenaarde in Ostflandern und De Halve Maan in Brügge. Thomas Lauwaert von Roman sagte dazu gegenüber dem VRT-Regionalsender Radio 2-Westflandern, dass Leergut quasi einer der Rohstoffe für eine Brauerei ist: „Wir müssen dafür sorgen, dass wir ständig ausreichend Leergut reinbekommen, sonst haben wir ein Problem. Die leeren Fläschchen werden angeliefert, gespült und direkt wieder aufgefüllt. Pro Stunde werden hier 30.000 Fläschchen abgefertigt. Das ist enorm.“

Die Brauerei Roman produziert noch fast ausschließlich für den belgischen Markt, deshalb betrifft das Leergutproblem lediglich eher kurze Wege. Bei Brauereien, die viel exportieren, ist das Leergutproblem wesentlich größer. Ein Teil des Leerguts verschwindet dann für eine lange Zeit im Ausland oder kommt überhaupt nicht mehr zurück zur Brauerei.

Ein Problem, dass alle Brauer haben (nicht nur die in Belgien), ist, dass Bier so frisch wie möglich sein muss und dass deshalb die Lagerbestände so klein wie möglich gehalten werden. Dies erfordert natürlich im Umkehrschluss ausreichend Leergut… Da ein Gleichgewicht zu finden, ist offenbar derzeit ein echtes Problem. Deshalb erfolgt von Seiten der Brauereien auch der Aufruf an die belgischen Verbraucher, doch bitte ihr Leergut so rasch wie möglich einzulösen.

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Die meisten Brauereien in Belgien, allen voran, halten die Glasflasche für ein gutes Bier für einen Qualitätsstandard und wollen deshalb auf keinen Fall auf Dosenbier setzen. Dies ist nicht nur eine Entscheidung in Sachen Qualität, sondern hat auch den Nebeneffekt der Nachhaltigkeit durch Abfallvermeidung. Und nicht zuletzt sind viele lokale Brauereien traditionsbewusste Familienunternehmen, denen allerdings die neuen und trendigen Mikrobrauereien mit ihren neuen Bieren in Sachen Tradition und Qualität in nichts nachstehen.

Die Brauerei De Halve Maan aus Brügge, die das Bier „Brugse Zot“ seit 2016 über eine 3 km lange unterirdische Bierpipeline von der Hausbrauerei im Stadtzentrum bis zur Abfüllanlage am Stadtrand fließen lässt, hat sich unlängst einen neuen Vorrat an Fässern und Fläschchen liefern lassen, weil zu wenig Leergut zeitig aus dem Handel zurückkommt.

Halve Maan-Brauer Xavier Vanneste gab dazu gegenüber Radio 2 Westflandern an, dass Leergut ein zirkuläres und damit sehr positives System sei: „Doch alles steht und fällt mit dem Rotieren von Leergut und Kästen. Wenn also noch jemand einen leeren Kasten im Keller hat, dann kann er uns den bitte rasch zukommen lassen. Damit wäre uns sehr geholfen.“ 

AP2010