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Wie Prinz Henri de Croÿ reichen Belgiern dabei half, Schwarzgeld zu verstecken

Jahrelang sollen etwa fünfzig wohlhabende Belgier über das Netzwerk des belgischen Prinzen Henri de Croÿ Dutzende von Millionen Euro an Schwarzgeld an den Steuerbehörden vorbeigeschleust haben. Das schreibt die Zeitung De Tijd an diesem Samstag. Ein französisches Gericht hat bereits eine Untersuchung gegen den Mann eingeleitet, die belgische Justiz noch nicht.

De Tijd konnte über das französische Wochenmagazin L'Obs etwa 3.100 durchgesickerte E-Mails, Faxe, Verträge und Bankverbindungen untersuchen. Die Daten sollten das Netzwerk enthüllen, das der 60-jährige Prinz Henri de Croÿ eingerichtet hat, um Millionen von Euro vor reichen Belgiern vor dem Fiskus zu verstecken. "Ein bislang noch nie dagewesener Geldverkehr, der dem Hochadel, Managern und anderen wohlhabenden Belgiern geholfen hat, Schwarzgeld vor den Steuerbehörden zu verstecken", betonte Lars Bové von der Zeitung De Tijd im VRT-Radio an diesem Morgen.

Wie der Coup funktionierte?

Bis zu 13 Millionen Euro pro Kunde hätte der Prinz auf Konten in allen möglichen Refugien geparkt. Zuerst in der Schweiz, aber als sich auch die Schweiz – einst ein Paradies für Steuerflüchtlinge – den rund 100 Staaten angeschlossen hat, die sich zum automatischen Informationsaustausch (AIA) von Finanzdaten bekannt haben, brachte der Prinz das Geld in die Vereinigten Arabischen Emirate, auf die Bahamas und nach Puerto Rico. "Diese Konten liefen nicht auf den Namen dieser belgischen Kunden, sondern auf Namen von Gesellschaften in noch anderen Verstecken", erklärte Bové. "Das war die Konstruktion, um das Geld sicher zu verstecken."

Damit die reichen Belgier ab und zu an ihr Geld kamen, um es ausgeben zu können, wurde ein System von anonymen Kreditkarten eingerichtet. „Karten, die nicht mit einer Bank verbunden waren, sondern mit denen von weiteren Konten des Prinzen abgebucht werden musste. Auf den Konten vermischte der Prinz das Geld verschiedener Kunden, um jegliche Spur zu verwischen.“

Prinz de Croÿ soll auch Bargeldkuriere engagiert haben, damit die Kunden ihr Schwarzgeld ausgeben konnten. "Ein Kunde hat zum Beispiel eine Rückerstattung von 50.000 Euro verlangt. Ein Bargeldkurier traf sich dann in Brüssel, um eine Tasche mit Banknoten zu übergeben. Das Geld war dann beispielsweise unter den Kaffeekapseln in einem Nespressobeutel versteckt."

Feste im Schloss zur Kundenakquirierung

Um für seine Dienstleistungen zu werben und Kunden zu gewinnen, organisierte de Croÿ große Feste im Schloss Château d'Azy in Frankreich. Das französische Gericht hat kürzlich Ermittlungen aufgenommen, nachdem das Wochenmagazin L'Obs bereits mehrere Enthüllungen gemacht hatte. "Die belgische Sonderprüfstelle für Steuern hat beim französischen Gericht nachgefragt, ob Belgier beteiligt seien, aber nach Ansicht der Franzosen sei das nicht der Fall gewesen", so Bové. "Die durchgesickerten Dokumente zeigen jedoch, dass der Prinz einige belgische Kunden hatte.

Laut des Anwalts von Prinz de Croÿ gehe es nicht um Geldwäsche oder Steuerbetrug, sondern nur um Steueroptimierung.

Ein „echter“ Prinz?

Die Tatsache, dass Henri de Croÿ den Titel des Prinzen trägt, bedeutet nicht, dass er eine Verbindung zur königlichen Familie hat. Es gibt in Belgien einige alte Adelsgeschlechter, die den Titel des Prinzen tragen können, wie die Familien Ligne, d'Arenberg und Merode.