Brussels Airlines rückt näher an Premium-Airlines

Die Integration der belgischen Tochter Brussels Airlines in die Eurowings-Gruppe wird nicht mehr weiterverfolgt. Stattdessen soll Brussels enger an die klassischen Netzwerk-Airlines des Konzerns - Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines - rücken.

Brussels Airlines wird aus der Eurowings-Gruppe ausgegliedert. Die belgische Fluggesellschaft wird  nicht mehr in die Low-Cost-Airline der Lufthansa integriert. Dies wurde an diesem Montagmorgen überraschend auf einem Sonderbetriebsrat der belgischen Fluggesellschaft angekündigt.

Brussels Airlines wurde vor zweieinhalb Jahren von der deutschen Fluggesellschaft Lufthansa übernommen. Innerhalb des Lufthansa-Konzerns war Brussels Teil der Low-Cost-Airline Eurowings. Es sah so aus, als würde sich die belgische Niederlassung schließlich mehr auf das untere Ende des Marktes konzentrieren.

Doch dem ist nicht so: Brussels Airlines wird aus der Eurowings-Gruppe herausgenommen. Damit wird Brussels Airlines kein Low-Cost-Unternehmen sein und in Zukunft enger an die klassischen Netzwerk-Airlines des Konzerns - Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines - rücken.

Die Einzelheiten darüber, wie dies geschehen soll, werden in den kommenden Monaten geprüft. Der neue Strategie-Plan sieht den wirtschaftlichen Turnaround für Brussels für 2023 vor und soll im dritten Quartal im Detail vorgestellt werden, heißt es in einer Pressemitteilung.

Ende der Unsicherheit

Die bemerkenswerte Entscheidung des Managements beendet die zweieinhalbjährige Unsicherheit unter den Mitarbeitern von Brussels Airlines über den Weg, den ihr deutscher Arbeitgeber nun mit der belgischen Fluggesellschaft gehen würde.

Jetzt ist klar, dass der Name Brussels Airlines weiter bestehen bleibt und nicht in der Eurowings-Gruppe untergeht, wie von den belgischen Mitarbeitern befürchtet.

Das erste, was wir tun müssen, sind Kraftübungen"

Brussels Airlines entwickelt sich recht gut und erwirtschaftet seit vier Jahren in Folge einen leichten Gewinn. Eurowings hingegen geht es viel weniger gut. Die Gesellschaft macht Verluste. Im vergangenen Jahr verzeichnete Eurowings einen Verlust von 231 Millionen Euro. Die Billigfluggesellschaft soll bis 2022 15 Prozent einsparen und sich auf Kurzstreckenflüge innerhalb Europas konzentrieren.

Auch die Netzwerkgesellschaften des Lufthansa-Konzerns, zu denen Brussels Airlines gehören wird, müssen Einsparungen vornehmen, wenn auch weniger stark: 1 bis 2 Prozent pro Jahr.

Christina Forster, die CEO von Brussels Airlines, ist sich dessen ebenfalls bewusst. "Ich kündige an, dass wir uns von Eurowings trennen, aber das erste, was wir tun müssen, sind Kraftübungen", sagte sie an diesem Morgen im Sonderbetriebsrat. Nichtsdestotrotz reagierten die Gewerkschaften eher positiv.

Überraschend gut

Die Gewerkschaften hätten die Nachricht nicht kommen sehen, reagiert Filip Lemberechts von der liberalen Gewerkschaft ACLVB. Doch für ihn sind es gute Nachrichten, und es beweise nach Ansicht des Gewerkschafters, dass bei Brussels Airlines in den letzten Monaten gute Arbeit geleistet worden sei.

"Der beste Schüler der Klasse darf eine Bank nach vorne rücken", betont Lembrechts noch. Gleichzeitig warnt er, dass es in den kommenden Monaten viel Schweiß kosten werde, um diesen Platz zu halten.

Auch Anita Van Hoof vom sozialistischen Angestelltenverband BBTK spricht von positiven Nachrichten. "Das ist es, was die Mitarbeiter seit der Übernahme immer verlangt haben."

"Sie betrachten Brussels Airlines jetzt als ein reifes Unternehmen", so Paul Buekenhout von der christlichen Gewerkschaft ACV Puls. "Der CEO hat festgestellt, dass es hier viele Kompetenzen gibt, in die investiert werden muss", sagt er.

Was die deutsche CEO von Brussels Airlines betrifft, so hieß es gegenüber den Gewerkschaften, dass sie bewiesen habe, dass sie sich durchsetzen könne und keine Marionette von Lufthansa-Chef Carsten Spohr sei, wie sie zum Teil bei ihrer Ernennung kritisiert wurde.