Spitzenbeamter des US-Außenministeriums fordert Belgien auf, IS-Kämpfer zurückzuholen

Die Vereinigten Staaten fordern Belgien auf, belgische IS-Kämpfer und ihre Familien aus den Gefangenenlagern in Syrien zurückzuholen. Washington befürchtet, dass diese erneut entkommen könnten. Das hat die Zeitung De Morgen von einem hohen Beamten des US-Außenministeriums erfahren.

"Der beste Weg, um zu verhindern, dass Ihre ausländischen terroristischen Kämpfer jemals wieder in den Krieg ziehen oder sich erneut Terrorzellen anschließen, ist, sie zurückzuholen, um sie bei Ihnen vor Gericht zu stellen. Mit dieser Botschaft fordert ein hoher Beamter des Außenministeriums von Washington in einem Gespräch mit De Morgen Belgien auf, die Rückführung der inhaftierten belgischen Syrienkämpfer zu beschleunigen. Deren Zahl schätzen die USA noch auf "maximal hundert". In den letzten Jahren haben 292 Kämpfer Belgien in Richtung Syrien verlassen. Von ihnen wurden mindestens 142 getötet.

Washington kritisiert, dass Belgien und andere EU-Länder zögern. „Ihnen fehlt der politische Wille, sie zurückzuholen. Auf der Grundlage meiner Gespräche kann ich Ihnen versichern, dass auch die belgischen Staatsanwälte bereit und berechtigt sind, die belgischen IS-Kämpfer bei Ihnen vor Gericht zu stellen. Viele sind sogar schon verurteilt worden." Die Entschuldigung, dass die Rückführung logistisch zu komplex sei, könne ebenfalls nicht akzeptiert werden. "Wir wollen helfen. Wir haben in unseren Kontakten bereits deutlich gemacht, dass die USA bereit sind, Belgien bei der Rückführung von ausländischen terroristischen Kämpfern zu unterstützen.

Der Beamte besteht auch darauf, dass Frauen und Kinder zurückgeholt werden. "Kinder sind Opfer, ob sie nun radikalisiert sind oder nicht. Für die USA sei es frustrierend, dass die EU, die seit langem die Vorreiterrolle bei den Menschenrechten und der Rechtsstaatlichkeit einnehme, jetzt nichts gegen die humanitäre Katastrophe in Nordsyrien unternehme.

Auf der Seite der flämischen Regionalisten von der N-VA wird auf den Appell des amerikanischen Spitzenbeamten an Belgien abweisend reagiert. "Es ist wahr, dass es am Willen mangelt, die IS-Kämpfer zurückzuholen. Sie müssen wegen ihrer schrecklichen Verbrechen in dem Land, in dem sie begangen wurden, vor Gericht gestellt werden. Die unzähligen Opfer dort haben auch ein Recht auf Gerechtigkeit", betonte die ehemalige N-VA-Staatssekretärin Zuhal Demir. Auch der ehemalige Außenminister Theo Francken ist der Meinung, dass die IS-Kämpfer im Irak vor Gericht gestellt werden sollten. "Die belgische Regierung muss diplomatische Kontakte zum irakischen Volk aufnehmen, um eine Lösung zu finden", twitterte er.

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