Drohen Belgien ab 2023 Engpässe in der Stromversorgung?

Laut einer Studie des Betreibers des belgischen Hochspannungsnetzes Elia droht unserem Land ab 2023 ein Engpass in der Elektrizitätsversorgung. Ende 2022 bzw. Mitte 2023 werden die ersten Kernreaktoren abgeschaltet, doch Elia geht nicht davon aus, dass ergänzende Gaskraftwerke bis dahin ans Netz gehen können. Zudem wurde es problematischer, Strom aus dem Ausland zu importieren. Deutschland würde seine Nachbarländer gerade mit dem drohenden Aus der Kohle als Energieträger überraschen, hieß es dazu.

Mit der vorliegenden Studie warnt Belgiens Hochspannungs-Netzbetreiber Elia vor akuter Gefahr bei der Stromversorgung und fordert von der Politik, dies zu einer Priorität zu machen.

Anlass für diese in eine Studie gefasste Warnung ist die Tatsache, dass am 1. Oktober 2022 der erste große belgische Atomreaktor Doel 3 wie vorgesehen abgeschaltet wird und schon am 1. Juni 2023 geht Tihange 2 vom Netz. Gemeinsam sorgen diese Meiler derzeit für etwa ein Drittel der nuklearen Kapazität bei der Stromproduktion.

Kann diese Kapazität bis dahin ersetzt bzw. aufgefangen werden? Wenn es nach Elia und der vorliegenden Studie geht, dann nicht. Die neuen Gaskraftwerke, auf die als Ersatz für die Kernenergie gedacht sind, sollen bis dahin noch nicht fertiggestellt sein, so die Sorge von Elia. Und dann befürchtet Elia, dass die Versorgung durch Stromimporte aus den Nachbarländern nicht ausreichen werde. 

Von den Deutschen überrascht?"

Elia-CEO Chris Peeters macht sich offenbar große Sorgen über die Energiepolitik in Deutschland, traditionell ein Land, aus dem Belgien Strom importiert (eine neue unterirdische Hochspannungsstromleitung aus Deutschland nach Belgien ist derzeit im Bau): „Nach der Schließung der Kernkraftwerke kommt nun noch der Kohleausstieg in Deutschland hinzu.“ Das dies früher oder später passieren würde, war auch dem Elia-CEO schon länger deutlich, doch jetzt scheint er vom Timing der Deutschen überholt worden zu sein.

Insgesamt beträgt die Produktionskapazität, die durch die Schließung von deutschen Kohlekraftwerken wegfällt, laut Elia rund 8 Gigawatt, ein Volumen, dass in etwa der Kapazität von 8 durchschnittlichen Kernreaktoren entspreche. Das sei Strom, so Elia-CEO Peeters, den Deutschland nicht mehr exportieren könne. Als zum Jahreswechsel sechs der sieben belgischen Meiler nicht am Netz waren (siehe nebenstehenden Beitrag), hätten günstige Wetterumstände und Importe aus Deutschland Belgien vor einer Energiekrise bewahrt…