FLIP FRANSSEN

EU-Handelsabkommen mit Südamerika zum Nachteil der hiesigen Bauern?

Die Landwirtschaftsverbände in Belgien machen sich Sorgen über die Folgen des Handelsabkommens zwischen der Europäischen Union und Südamerika. Das sogenannte „Mercosur“-Abkommen, das größte Handelsabkommen der EU seit langem, wurde rund 20 Jahre lang besprochen. Doch z.B. der Bauernbund in Belgien befürchtet, dass der Markt jetzt von Agrarprodukten aus Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay überschwemmt wird.

Im Groben zusammengefasst kann die Europäische Union nachdem das „Mercosur“-Handelsabkommen mit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay vom EU-Parlament angenommen wird, Autos und Maschinen abgabefrei in diese vier südamerikanische Länder exportieren. Im Gegenzug können aus diesen Ländern jetzt ebenfalls abgabefrei landwirtschaftliche Produkte in Europa eingeführt werden. Gerade das aber macht den Landwirten auch in Belgien Angst. Sie befürchten, dass die Märkte in der EU jetzt mit billigeren Agrarprodukten überschwemmt werden und sie warnen vor den weiteren Folgen dieser riesigen Freihandelszone für zollfreien Handel.

So gelten in den genannten vier südamerikanischen Staaten andere Qualitätsstandards, als bei uns. Das betrifft auch z.B. den Umgang mit Pestiziden und mit Gen-Produkten, wie der flämische Bauernbund warnt. Pieter Verhelst, der den Vorgang für den Bauernbund begleitet hat, sagte gegenüber VRT NWS: „Es sieht danach aus, als wurde die Landwirtschaft den Preis für mehr Güter und Dienstleistungen bezahlen. Eigentlich hat man europäische Autos und Maschinen gegen Kühe, Hühner und Zucker eingetauscht.“ 

Es sieht danach aus, als wurde die Landwirtschaft den Preis für mehr Güter und Dienstleistungen bezahlen. Eigentlich hat man europäische Autos und Maschinen gegen Kühe, Hühner und Zucker eingetauscht.“

Pieter Verhelst, flämischer Bauernbund

Das „Mercosur“-Abkommen beinhaltet z.B. die zusätzliche und einfuhrsteuerfreie Einfuhr von 99.000 Tonnen Rindfleisch und von 180.000 Tonnen Geflügelfleisch. Verhelst ist übrigens auch der Ansicht, dass dieses Abkommen nicht nur den kleinen hiesigen Landwirten schaden wird, sondern auch deren Kollegen und Konkurrenten in Südamerika: „Das sorgt für einen unehrlichen Wettbewerb, der die Preise hier noch mehr unter Druck setzt. Damit wird es auch nicht den kleinen Bauern in Brasilien oder Argentinien besser gehen. Es sind die großen Produktionskonzerne, die mit unseren kleinen Familienunternehmen konkurrieren.“

Der Vorgang verspricht, im EU-Parlament und im europäischen Ministerrat noch für hitzige Diskussionen zu sorgen. Auch die belgischen Agrarverbände wiedersetzen sich einer Aufweichung der hier geltenden Normen und Standards und wie lehnen eine Senkung des EU-Landwirtschaftshaushaltes im Zuge von „Mercosur“ rundweg ab.