Stéphane Mandelbaum: Spannende Ausstellung im Jüdischen Museum in Brüssel

Mit einer Ausstellung zum Werk des einstigen Brüsseler Wunderkinds Stéphane Mandelbaum strampelt sich das Jüdische Museum in der belgischen Hauptstadt vom Druck nach dem Anschlag vor 5 Jahren und dem Prozess gegen den damaligen Attentäter vor einigen Monaten frei. Und die Einrichtung ist dabei recht mutig, denn die Welt dieses jung und dramatisch ums Leben gekommenen Künstlers zeigt auch Nazis, Kriminelle und Prostituierte. 

Stéphane Mandelbaum kam 1961 In Brüssel als Sohn eines jüdischen Vaters und einer armenischen Mutter zur Welt. Schon 1987 verstarb dieses künstlerische Wunderkind und Naturtalent und zwar unter dramatischen Umständen. Er wurde nach mutmaßlicher Beteiligung an einem Kunstdiebstahl in Namür erschossen, vermutlich von Mittätern.

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"Composition" 1980

Schon früh zeichnet sich ab, dass Mandelbaum Talent hat und schon in jungen Jahren zeichnet und malt er ohne Unterlass. So hinterließ er ein beeindruckendes und umfassendes Werk quasi ohne jegliche Möglichkeit, dieses stilgerecht einzuordnen. Viele seiner Bilder zeigen Künstler, die eine dunkle Seite in ihrem Werk hinterließen, wie z.B. Rimbaud, Bacon oder Pasolini. Doch er malte und zeichnete auch Nazigrößen, wie Goebbels oder Ernst Röhm.

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"Der Goebbels" 1980

Im Laufe seines kurzen aber intensiven Lebens verlor sich Stéphane Mandelbaum aber auch in frivolen Kreisen zwischen Kriminellen und Prostituierten, zwischen Boxern und anderem lichtscheuem Gesindel. Dass er dabei Boden und Halt verlor und auch nicht mehr zwischen Fiktion und Realität unterscheiden konnte, zeigt sich ebenfalls eindrucksvoll in zahlreichen Bildern.

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Der Titel der Ausstellung im Jüdischen Museum in Brüssel sagt bereits vieles: „Die inneren Dämonen eines provokanten Künstlers aus den 80er Jahren“. Und doch ist bietet die Betrachtung seiner vielen Werke noch viel mehr an Eindrücken. Hier sieht man vermeintlich mit Kugelschreiber gekritzelte Menschen, um die zahllose und kaum lesbare Wörter und Sätze geschrieben wurden. Dabei fällt auf, dass besonders die in seiner französischen Muttersprache verfassten Texte voller Fehler sind. Mandelbaum war Legastheniker. Doch es liegt die Vermutung nahe, dass er diese Dyslexie in seinem Werk auch gerne überspitzte. Hinzu kommen auch Texte in Hebräisch, mit kyrillischen und asiatischen Buchstaben und in Englisch.  

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Sowieso war Stéphane Mandelbaum ein Mensch, der verhaltensgestört war. Ein provozierendes Wunderkind, virtuos und begnadet. Mit etwa 18 Jahren konstatierten Fachleute aus der Kunstwelt Mandelbaum den Status eines „vollständigen Künstlers“. Seine Bilder sind fast immer Kombinationen auf dünnem Papier, sehr oft auch auf kleinem Din-A4-Format. Gemalt und gekritzelt mit Kugelschreibern, Bleistiften, Füllfederhaltern, Kohle oder Buntstiften, ergänzt durch Postkarten oder Zeitungsausschnitten. Nur weniges malte Mandelbaum mit Ölfarben auf Leinwand oder Holz.

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Bis heute sind die Umstände des Todes von Stéphane Mandelbaum nicht wirklich geklärt. Im Januar 1987 fanden Kinder seine Leiche in der Maas in Namür, doch die Obduktion ergab, dass er wohl bereits im Dezember 1986 durch Schüsse in den Kopf getötet wurde. Schon im Oktober 1986 wurde sein Name mit dem Diebstahl eines Modigliani-Gemäldes aus der Wohnung einer reichen Witwe im Brüsseler Stadtteil Elsene genannt. Dieses Bild war zwar eine Fälschung, doch der Verkauf soll 70 Millionen belgische Franken gebracht haben.

Möglicherweise bekam Mandelbaum Streit mit dem Rest seiner Bande, wonach diese entschied, ihn loswerden zu wollen. Irgendwann wurde der Fall zu den Akten gelegt, doch diese Geschichte ist mit Stéphane Mandelbaum und seinem Leben und Werk bis heute unzertrennlich verbunden, zeigt sie doch auf, welchen Lebenswandel er führte und wo die Inspirationen zu seiner Kreativität herkamen.

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„Die inneren Dämonen eines provokanten Künstlers aus den 80er Jahren“ zum Leben und Wirken von Stéphane Mandelbaum im Jüdischen Museum in Brüssel ist eine ganz besondere Ausstellung und es ist besonders schön, dass eine solche Ausstellung eben in genau dieser Einrichtung im historischen Zentrum der belgischen Hauptstadt stattfindet. Der Autor dieser Zeilen wurde dort von motivierten und fröhlichen Menschen empfangen, die ihm den Eindruck vermittelten, dass hier endlich wieder ein frischer Geist wehen kann und weht.

Stéphane Mandelbaum, „Die inneren Dämonen eines provokanten Künstlers aus den 80er Jahren“, noch bis zum 22. September 2019 im Jüdischen Museum in Brüssel. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Centre Pompidou in Paris. Adresse: Jüdisches Museum Brüssel, Minimestraat/rue des Minimes 21, 1000 Brüssel (unweit vom Justizpalast und von Zavel/Sablon).

www.mjb-jmb.org