Yorick Jansens

Abgesagtes Festival: Zwei der drei Veranstalter bleiben weiter in Haft

Zwei der drei Organisatoren des abgesagten Urban Music-Festivals VestiVille im limburgischen Lommel bleiben weiter in Haft. Der zuständige Ermittlungsrichter ordnete am Sonntag nach weiteren Verhören für das Geschwisterpaar aus den Niederlanden an, dass diese weiter in ihrer Zelle bleiben müssen. Der dritte Festgenommen, ein britischer Staatsbürger, wurde weiter verhört. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die VestiVille-Macher u.a. wegen Betrug, Geldwäsche und Urkundenfälschung bzw. falschen Rechnungen.

Die drei Verdächtigen, zwei aus Kambodscha stammende Niederländer (Bruder und Schwester), und ein Brite, wurden bereits am Freitag festgenommen, kurz nach der Absage des Festivals durch den Bürgermeister von Lommel. Die Staatsanwaltschaft Limburg versucht nach Verdachtsmomenten herauszufinden, ob gegen die Organisatoren des VestiVille-Festivals wegen Betrug, Unterschlagung, Geldwäsche, Vertrauensmissbrauch, Urkundenfälschung und falsche Rechnungen ein Verfahren anberaumt werden kann. Die Verhaftung am Freitag erfolgte, weil die Justiz befürchtete, dass sich die Verdächtigen ins Ausland hätten absetzen können, um dort ihre Aussagen aufeinander abzustimmen oder um Beweismaterial zu beseitigen.

Das mega-groß geplante Festival musste abgesagt werden, nachdem eine Abnahme durch die lokalen Behörden erfolgte, bei der eklatante Mängel an der Infrastruktur des Events festgestellt wurden. Dabei handelte es sich u.a. um nicht vorhandene Notausgänge, um ungesicherte Bühnenaufbauten, um zu wenig Toiletten und um mangelnde Wasserversorgung. Auch das Rote Kreuz, dass bei Großveranstaltungen in Belgien vor Ort sein muss, zog sich wegen Sicherheitsmängeln zurück, weil die Sicherheit der Besucher nicht garantiert werden konnte.

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Yorick Jansens

Schon einmal in Konkurs nach misslungenen Veranstaltungen gegangen

Die Veranstalter hatten für die Erstausgabe dieses Festivals, was gleichzeitig mit zwei anderen schon lange existierenden Festivals stattfinden sollte (Rock Werchter und Couleur Café), ein ambitioniertes Programm zusammengestellt. Top Act sollte u.a. ASAP Rocky sein, doch dieser sagte seinen Auftritt angesichts des Zustands des Festivalgeländes vor und hinter der Bühne schon vor seinem Soundcheck ab. Die Veranstalter rechneten mit 125.000 bis 135.000 Zuschauern auf drei Tage verteilt, konnten aber offenbar nur 30.000 bis 35.000 Tickets absetzen. Zum Festivalstart am Freitagnachmittag waren lediglich rund 1.500 Besucher aufgetaucht.

Das Organisationsteam hatte vor VestiVille in Lommel auch bereits in den Niederlanden ähnliche Events veranstaltet, die unter dem Titel Vestival liefen. Doch das Unternehmen, dass hinter Vestival stand, ging nach nur zwei Ausgaben in Konkurs. Grund dafür waren ein Mangel an Erfahrung im Organisieren solcher Mega-Events, eine fehlende Buchhaltung und die Unfähigkeit, für ein solches Unternehmen einen Haushalt aufzustellen. Fachleute stellen sich die Frage, ob VestiVille an der Dummheit und der Naivität der Veranstalter gescheitert ist, oder ob hier kriminelle Machenschaften im Spiel sind. Enttäuschte Besucher sagten in Lommel am Freitag: „So ein Mega-Programm… Es war zu schön, um wahr zu sein…“