Foto: Andreas Kockartz

"Autoworld" in Brüssel: 100 Jahre Citroën in 50 Modellen erzählt

Anfang Juni wurde die legendäre französische Automarke Citroën 100 Jahre alt, denn am 4. Juni 1919 wurde das erste Auto, das den Namen dieser Marke trug, fertiggestellt. Das Brüsseler Automobilmuseum „Autoworld“ widmet dieser Marke, die immer schon mit eigenwilligen Erfindungen und Designformen zu überraschen wusste, eine Ausstellung. 100 Jahre Citroën werden anhand von 50 teilweise sehr seltenen Fahrzeugen erzählt. Doch auch die „Massenware“ der Marke kommt hier vor.

Wohl kaum eine Automarke in Europa wartet mit so vielen bemerkenswerten Erfindungen, Entwicklungen und Formen auf, wie Citroën. Und kaum eine Automarke taucht in Film und Fernsehen aber auch in Comics und auf Fotos als Dekor so oft auf, wie die Marke mit dem Doppelwinkel als Logo, in Fachkreisen als „Cevron“ bekannt. Man denke nur an Tim & Struppi-Comics, an Maigret-Krimis, an die gelbe Ente bei James Bond oder den CX von Tatort-Kommissar Schimanski. 

Foto: Andreas Kockartz

Nicht zu vergessen sind auch die vielen Polizeiautos von Citroën in den zahllosen Streifen im französischen „Film noir“ - vom Wellblech-Kombi HX bis hin zur DS der Ermittler und die „Gangster“-Citroëns „Traction Avant“, die sowohl die Verbrecher nutzten, als auch die Ermittler (für ihre Zeit rasend schnell mit bester Straßenlage!). Und die Ente 2CV spielt in vielen Filmen im Kino und im Fernsehen immer wieder Neben- und Hauptrollen. 

Foto: Andreas Kockartz

Viele dieser altbekannten und beliebten Citroëns sind in diesen Tagen in der Brüsseler „Autoworld“ zu sehen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 3. September 2019 und ist ein ideales Ausflugsziel oder eine Ergänzung für jeden Citytrip in die belgische Hauptstadt. Wer durch diese Ausstellung wandert, der kann vieles entdecken, denn dort stehen gerade bei weitem nicht nur die aktbekannten Klassiker (in vielen Varianten), sondern auch Sondermodelle, Spezialkarosserien, Einzelstücke und andere Raritäten. 

Foto: Andreas Kockartz

Zu erwähnen wäre zum Beispiel ein Prototyp des Ami 8, der als Coupé unter der Bezeichnung M35 mit Wankelmotor unlackiert dort steht. Oder auch ein SM mit Stufenheck, der unter der Bezeichnung „Opéra“ in noch nicht mal 10 Exemplaren gebaut wurde. Das in Brüssel zu sehende Exemplar wird auf einen Wert um die 800.000 € geschätzt. Ein DS Cabrio wird in der selteneren Version „Chapron“ gezeigt und eine rote Kastenente der belgischen Post weckt den klassischen Ausruf „Wie süüüß!“… A propos Ente: Unter den hier ausgestellten 2CV ist auch eine weiße Ente mit kleiner grüner Spielerei auf der Motorhaube. Das ist eine „Perrier-Ente“, die Citroën mit der Sprudelwassermarke Perrier einmal auf den Markt gebracht hatte… 

Foto: Andreas Kockartz

Nutzfahrzeuge sind leider nur wenige dort ausgestellt. Darunter ist natürlich der „Wellblech-Lieferwagen“ HX, der heute im zweiten, dritten oder vierten Leben überall in Europa als Foodtruck weiter existieren darf (auffallend oft übrigens auch in England). Interessant wiederum ist, dass die „Autoworld“ viele Modelle in zahlreichen Ausführungen zeigt. Das betrifft die „Göttin“ DS, auch den SM, die „Rosalie“ und verschiedenste Versionen der Reihe „Traction Avant“. Dabei ist auch ein riesig erscheinender 15CV mit ausgebautem Kofferraum, der als „Commerciale“ als schneller Lieferwagen oder als Vertreterauto genutzt wurde. Oder aber zum Schmuggeln oder zum Befördern von Diebesgut…. 

Foto: Andreas Kockartz

Man muss die Kuratoren dieser Ausstellung auch dafür loben, dass sie auffallend viele Citroëns ausstellen, die in Belgien gebaut wurden. Zur Erinnerung: Schon vor dem Krieg unterhielt Citroën ein Montagewerk im Brüsseler Stadtteil Vorst. Dort wurden schon die „A“-Modelle gebaut und auch Versionen der „Rosalie“ - übrigens der erste europäische Wagen mit Ganzstahl-Karosserie - sowie die DS oder auch die Ente. 1974 war aber Schluss für Citroën in Brüssel. Später ging das Werk, bzw. das Gelände in den Besitz von Volkswagen über. Heute baut die VW-Tochter Audi hier den E-tron… 

„100 Jahre Citroën“, „Autoworld“, Jubelpark 11, 1000 Brüssel, noch bis zum 3. September 2019. Achtung, aufgepasst: Am „Quatorze Julliet“, also am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, organisiert die „Autoworld“ eine Citroën-Parade, die vom ehemaligen „Citroën“-Showroom am Kanal, der heute passenderweise ein Museum für zeitgenössische Kunst beherbergt, bis hin zum Jubelpark führt… Info: www.autoworld.be  

Foto: Andreas Kockartz
Julien Mahiels JMIMAGING